Serie „Home Sim vs. Level D“, Folge 1: Folge 0 zeigt die sieben großen Unterschiede zwischen Heimsimulator und Level D. Diese Folge geht in die Tiefe – mit einem einzigen Manöver: dem ILS-Anflug von Hand, ganz ohne Automatik.
Zu Hause schaltest du im Anflug auch mal Autopilot und Flight Director ab – im Microsoft Flight Simulator, in X-Plane oder im Home-Cockpit? Dann bringst du eine gute Grundlage mit. Dieser Artikel erklärt die Technik hinter einem sauberen Raw-Data-ILS und zeigt, was zu Hause und im Level-D-Simulator gleich ist, was sich anders anfühlt und was du daraus mitnimmst.
Was bedeutet Raw Data ILS?
Das ILS (Instrument Landing System) ist das klassische Präzisionsanflugsystem der Verkehrsluftfahrt. Im Kern besteht es aus zwei Sendern am Boden:
- Landekurssender (Localizer, LOC): Er führt dich seitlich auf die verlängerte Mittellinie der Piste.
- Gleitwegsender (Glideslope, G/S): Er führt dich in der Höhe auf einem Gleitpfad zur Piste, meist mit einer Neigung von 3 Grad.
Häufig gehört eine Entfernungsmessung (DME) dazu. Mit ihr prüfst du unterwegs, ob deine Höhe zur Entfernung passt.
Raw Data, also „Rohdaten“, bedeutet: Zwischen dir und diesen Signalen steht keine Rechenhilfe. Die Steuerbalken des Flight Director (FD), die dir auf dem Primary Flight Display (PFD) sonst die passende Fluglage vorgeben, sind ausgeschaltet. Das gilt auch für Autopilot (AP) und Autothrust (A/THR), die automatische Schubregelung. Manche Profile verzichten zusätzlich auf den Flight Path Vector (FPV), ein Symbol für den tatsächlichen Flugweg. Die Anzeigen sagen dir dann nur, wie weit du vom Sollweg abweichst. Welche Nicklage und welchen Schub du dafür brauchst, entscheidest du selbst.
Im Airbus schaltest du die Anzeigen mit der Taste „LS“ am EFIS-Bedienteil ein. Auf dem PFD erscheinen dann zwei Skalen: unter der Fluglage die für den Landekurs, rechts daneben die für den Gleitpfad. Die Ablage zeigt je eine Raute, die über die Punkte (Dots) der Skala wandert; zwei Punkte bedeuten Vollausschlag. Im Cockpit-Jargon spricht man trotzdem von den „Nadeln“. Das Navigation Display (ND) zeigt im Modus ROSE LS zusätzlich den Anflugkurs und die Ablage.
Geflogen wird bis zum Minimum, der Entscheidungshöhe. Bei einem Standard-ILS der Kategorie I liegt sie nicht unter 200 Fuß über der Schwelle. Sind dort die vorgeschriebenen Sichtmerkmale zu sehen, etwa Anflugbefeuerung oder Piste, geht es weiter zur Landung. Sonst startest du durch.

Die Technik: Pitch & Power, Scan, Nadeln und Wind
Pitch & Power: Nicklage plus Schub ergibt den Flugweg
Die Grundregel beim Handfliegen nach Raw Data lautet Pitch + Power = Performance: Bei gleicher Masse und Konfiguration gehören zu einer bestimmten Nicklage und einem bestimmten Schub ein bestimmter Flugweg und eine bestimmte Geschwindigkeit. Kennst du diese Ausgangswerte, stellst du sie ein, wartest kurz und korrigierst danach nur noch fein. Wer stattdessen den Nadeln hinterhersteuert, pendelt um den Sollweg.
- Auf dem Gleitpfad brauchst du eine niedrigere Nicklage als im Horizontalflug und deutlich weniger Schub.
- Fahrwerk und Landeklappen erhöhen den Widerstand. Mit jeder Konfigurationsstufe ändert sich der Schubbedarf.
- Die Richtwerte für Nicklage und Schub hängen von Muster, Masse und Konfiguration ab. Sie gehören ins Briefing – in deiner Session bespricht sie der Instruktor mit dir.
Airbus-Besonderheit: Die Fly-by-Wire-Steuerung trimmt im Normal Law, dem normalen Steuergesetz, automatisch. Lässt du den Sidestick los, bleibt das Flugzeug weitgehend auf seiner Bahn. Eine ausgetrimmte Geschwindigkeit, zu der es von selbst zurückkehrt, gibt es dabei nicht: Fehlt Schub, wird der Airbus langsamer und hält trotzdem seine Bahn. Ohne Autothrust ist die Geschwindigkeit deshalb ganz deine Aufgabe. Am Sidestick heißt das: kurz und sanft eingeben, zurück in die Mitte und beobachten, was die Fluglage macht. Mehr zur automatischen Trimmung steht im Artikel Was Flight-Simmer im Level D überrascht.
Der Scan: die Fluglage als Drehscheibe
Fast alles, was du im Anflug brauchst, zeigt das PFD: links das Geschwindigkeitsband, in der Mitte die Fluglage, rechts Höhe und Sinkrate, dazu die Skalen für Landekurs und Gleitpfad. Bewährt hat sich ein Scan mit der Fluglage als Drehscheibe. Dein Blick springt zu einer Anzeige und kehrt gleich wieder zur Fluglage zurück – im Endanflug vor allem zu Gleitpfad, Landekurs und Geschwindigkeit. Seltener, aber regelmäßig prüfst du Schub, Sinkrate und den Höhencheck gegen die Entfernung.
- Den Trendpfeil nutzen: Der Pfeil am Geschwindigkeitsband zeigt, wo die Geschwindigkeit in etwa zehn Sekunden liegt, wenn sich nichts ändert. So erkennst du früh, ob du Schub brauchst.
- Fixierung vermeiden: Wer nur noch auf eine Nadel schaut, merkt zu spät, dass Geschwindigkeit oder Sinkrate weglaufen.
Landekurs und Gleitpfad richtig deuten
Beide Signale sind Winkel. Je näher du der Piste kommst, desto weniger Meter Ablage entsprechen einem Punkt auf der Skala – die Anzeige wird empfindlicher. Eine Korrektur, die zehn Meilen vor der Piste genau richtig ist, ist kurz vor der Schwelle viel zu groß.
- Landekurs anschneiden: Flieg mit einem Anschneidewinkel auf den Landekurs zu. Sobald sich die Raute vom Rand der Skala löst, leitest du die Kurve ein – nicht erst, wenn sie in der Mitte steht.
- Gleitpfad von unten: Üblich ist, im Horizontalflug unterhalb des Gleitpfads anzufliegen und ihn von unten zu erreichen. Von oben ist es schwieriger, und oberhalb des richtigen Gleitpfads kann der Sender steilere, falsche Gleitpfade erzeugen.
- Klein und früh korrigieren: Liegst du über oder unter dem Gleitpfad, ändere die Nicklage um etwa ein Grad. Läuft die Anzeige zur Mitte zurück, gehst du wieder auf die Ausgangslage. Seitlich gilt dasselbe mit wenigen Grad Kursänderung – je näher die Piste, desto kleiner.
- Trend vor Position: Wichtiger als die Frage, wo eine Nadel steht, ist, wohin sie sich bewegt. Steht sie still, fliegst du parallel zum Sollweg. Dann genügt eine kleine Korrektur, um sie zurückzuholen.
Wind: Sinkrate und Vorhaltewinkel planen
Der Gleitpfad liegt fest über dem Boden. Wie schnell du sinken musst, hängt deshalb von deiner Geschwindigkeit über Grund ab – und damit vom Wind.
- Gegenwind senkt die Geschwindigkeit über Grund. Du brauchst weniger Sinkrate und etwas mehr Schub. Rückenwind wirkt umgekehrt und macht es schwerer, rechtzeitig stabil zu sein.
- Seitenwind: Damit die Landekurs-Raute stehen bleibt, fliegst du mit einem Vorhaltewinkel. Den passenden Kurs findest du, indem du einen Kurs hältst, die Nadel beobachtest und in kleinen Schritten nachkorrigierst.
- Der Wind ändert sich: Im Sinkflug ändern sich Stärke und Richtung oft. Der Vorhaltewinkel aus 3.000 Fuß passt in 500 Fuß nicht unbedingt mehr. Verlass dich auf die Nadel, nicht auf deinen alten Kurs.
- Böen: Kurze Ausschläge der Geschwindigkeit musst du nicht einzeln jagen. Achte auf den Trend und korrigiere, wenn er in eine Richtung läuft.
Faustwerte für den 3-Grad-Gleitpfad
| Wert | Faustformel | Beispiel |
|---|---|---|
| Sinkrate | Geschwindigkeit über Grund in Knoten × 5 = Fuß pro Minute | 130 Knoten über Grund: rund 650 Fuß pro Minute |
| Sinkrate mit Gegenwind | erst die Geschwindigkeit über Grund bestimmen, dann × 5 | 140 Knoten bei 20 Knoten Gegenwind: 120 Knoten über Grund, rund 600 Fuß pro Minute |
| Höhe über der Schwelle | knapp 320 Fuß pro nautische Meile, grob 300 | 5 Meilen: rund 1.600 Fuß; 3 Meilen: rund 950 Fuß |
| Vorhaltewinkel | Seitenwind in Knoten × 60 ÷ Geschwindigkeit in Knoten = Grad | 14 Knoten Seitenwind bei 140 Knoten: rund 6 Grad |
Grobe Richtwerte zur Orientierung. Maßgeblich sind immer die Höhenchecks der Anflugkarte und die Verfahren von Hersteller und Betreiber.
Was im Heimsimulator ähnlich ist
Die gute Nachricht für Flight-Simmer: Die Kopfarbeit beim Raw-Data-ILS ist zu Hause und im Level-D-Simulator dieselbe.
- Anzeigen und Logik: In detaillierten Airbus-Add-ons sehen PFD, ND und die Ablage-Skalen sehr ähnlich aus. Wie du die Nadeln liest, gilt überall.
- Setup und Briefing: Frequenz, Kurs, Minimum, Fehlanflug und Konfigurationsplan bereitest du zu Hause genauso vor.
- Faustformeln: Sinkrate, Höhenchecks und Vorhaltewinkel rechnest du überall gleich.
- Scan-Disziplin: Den Scan mit der Fluglage im Mittelpunkt kannst du im Heimsimulator und sogar am Schreibtisch trainieren.
Zu Hause hast du außerdem Zeit: Du kannst pausieren, einen Anflug zehnmal wiederholen und zwischendurch nachlesen. Für Verfahren und Scan ist der Heimsimulator deshalb ein sehr gutes Werkzeug.
Grenzen hat er dort, wo der Körper ins Spiel kommt. Wege und Federkräfte von Joystick oder Hobby-Sidestick hängen von deiner Hardware ab, und Beschleunigungen spürst du im Schreibtischstuhl nicht.
Was im Level-D-Simulator anders ist
Ein Level-D Full Flight Simulator ist kein größerer Heimsimulator, sondern ein Trainingsgerät für ein bestimmtes Flugzeugmuster. Die EASA verlangt für diese Stufe unter anderem ein Flugmodell, das auf Flugtestdaten des Herstellers beruht, ein Bewegungssystem und eine kollimierte Außensicht im originalgroßen, geschlossenen Cockpit. Beim Raw-Data-ILS spürst du das an fünf Stellen.
1. Dein Körper fliegt mit
Das Bewegungssystem gibt dir Reize beim Nicken, Rollen und Beschleunigen. Nimmst du die Nase hoch, spürst du es im Sitz. Turbulenz rüttelt an der Kabine, und auch die Ablage-Anzeigen werden unruhiger. Weil die Plattform nur wenig Weg hat, arbeitet sie mit kurzen Anfangsreizen und einem leichten Kippen der Kabine. Dein Gleichgewichtssinn liefert also Hinweise, aber keine Messwerte. Im Anflug heißt das: fühlen ja, steuern nach den Instrumenten. Wer auf jeden Stoß reagiert, bringt nur zusätzliche Unruhe in den Flugweg.
2. Sidestick und Schubhebel wie im Airbus
Der Sidestick liegt seitlich neben dir an der Konsole. Er federt in die Mitte zurück und drückt nicht aktiv gegen deine Hand. Für einen ruhigen Anflug genügen sehr kleine Ausschläge. Die Schubhebel bewegst du ohne Autothrust selbst, und zwar vorausschauend: Ein Triebwerk braucht einen Moment, bis neuer Schub anliegt. Wer erst nachschiebt, wenn die Geschwindigkeit schon zu niedrig ist, kommt zu spät. Wie viel Schub anliegt, liest du an der Triebwerksanzeige ab – und du hörst es.

3. Der Moment am Minimum
Wolkenuntergrenze und Sicht stellt der Instruktor ein. Je nach Einstellung siehst du bis kurz vor dem Minimum nur Grau. Die Außensicht eines Level-D-Simulators ist kollimiert: Über eine Spiegeloptik wirkt das Bild, als läge es weit draußen vor den Cockpitscheiben, nicht auf einer Fläche direkt vor dir. Tauchen Anflugbefeuerung und Piste auf, springt dein Blick nach draußen. Genau dann zieht oder drückt man leicht unbewusst am Sidestick. Bleib bei der Nicklage, die dich bis hierher gebracht hat.

4. Ein Mensch als Pilot Monitoring
Neben dir sitzt kein Add-on, sondern ein Mensch. Als Pilot Flying (PF) – wer gerade steuert – gibst du die Kommandos, etwa „Gear down“ oder „Flaps 3“. Der Pilot Monitoring (PM) setzt sie um, überwacht den Anflug und spricht Abweichungen an. Im Endanflug kommen die automatischen Höhenansagen des Flugzeugs dazu. Fliegen und Sprechen laufen also parallel. Wie sich die beiden Rollen die Arbeit teilen, erklärt der Artikel Pilot Flying und Pilot Monitoring. Kommst du allein, übernimmt der Instruktor die Rolle des PM.
5. Echtzeit, Wind und ein Instruktor
An der Instruktor-Station stellt dein Instruktor nach Absprache Wind, Turbulenz, Wolkenuntergrenze und Sicht ein, und er übernimmt den Funk. Er kann den Simulator anhalten, mit dir besprechen, was gerade passiert ist, und dich für einen neuen Versuch zurück in den Anflug setzen. Eine Pause-Taste unter deiner Hand gibt es aber nicht: Der Anflug läuft in Echtzeit, und jede Entscheidung fällt in dem Moment, in dem sie nötig ist.
Raw Data ILS: Heimsimulator und Level D im Vergleich
| Merkmal | Heimsimulator | Level-D Full Flight Simulator |
|---|---|---|
| Anzeigen und Ablage-Skalen | in guten Airbus-Add-ons nah am Vorbild | Displays im originalgroßen Cockpit des simulierten Musters |
| Faustformeln, Scan, Briefing | identisch | identisch |
| Steuerung | Joystick oder Hobby-Sidestick, Gefühl je nach Hardware | Sidestick und Schubhebel an ihrem Platz im Airbus-Cockpit |
| Bewegung | meist keine, Bewegungsplattformen nur als Zubehör | Bewegungssystem: Nicken, Rollen, Beschleunigung, Turbulenz |
| Sicht am Minimum | Bildschirm, Beamer oder VR-Brille | kollimierte Außensicht, die Piste wirkt weit entfernt |
| Pilot Monitoring | Copilot-Add-on oder Sim-Partner per Sprachchat | eine Person aus deiner Gruppe oder der Instruktor |
| Wiederholen | Pause, Zeitraffer und Neustart jederzeit | Echtzeit; der Instruktor hält an und setzt dich neu in den Anflug |
| Feedback | eigene Auswertung | Debriefing mit erfahrenen Berufspiloten |
Der Vergleich beschreibt Gerätearten, keine einzelnen Produkte.
Was du beim ersten Raw-Data-Anflug im Level D spürst
Ohne Autopilot, Autothrust und Flight Director liegt das ganze Flugzeug in deinen Händen. Auf diese fünf Dinge kannst du dich beim ersten Mal einstellen:
- Du steuerst mehr, als nötig ist. Bewegung und Turbulenz verleiten zu Eingaben. Kleine, ruhige Korrekturen bringen mehr.
- Die Geschwindigkeit läuft leise weg. Ohne Autothrust achten nur du und dein PM auf sie. Der Trendpfeil zeigt es dir als Erstes.
- Die Nadeln werden lebhafter. Kurz vor der Schwelle reichen kleinste Abweichungen für einen deutlichen Ausschlag.
- Die Konfiguration kommt schnell. Fahrwerk und jede Klappenstufe ändern Nicklage und Schubbedarf. Wer sie nicht vorausplant, fliegt dem Flugzeug hinterher.
- Kommandos und Scan laufen gleichzeitig. Ein „Flaps 3“ darf deinen Blick nicht von der Fluglage wegziehen. Das ist Übungssache.
Schritt für Schritt: ein Raw-Data-ILS im Airbus
So kann ein Raw-Data-ILS im A320 ablaufen. Die genauen Verfahren, Geschwindigkeiten und Callouts legen die Standardverfahren des Betreibers fest, die SOPs (Standard Operating Procedures). In deiner Session gehst du sie mit dem Instruktor im Briefing durch.
- Vorbereiten und briefen: ILS-Frequenz, Kurs und Kennung prüfen, das Minimum setzen, Fehlanflugverfahren und Konfigurationsplan besprechen. Aus dem Wind schätzt du die Geschwindigkeit über Grund, die erwartete Sinkrate und den Vorhaltewinkel ab.
- Automatik aus: Autopilot aus, beide Flight Directors aus, die Skalen mit „LS“ einschalten. Bevor du den Autothrust abschaltest, bringst du die Schubhebel etwa auf den Schub, der gerade anliegt. So ändert sich der Schub beim Abschalten nicht sprunghaft.
- Landekurs anschneiden: Mit Anschneidewinkel auf den Landekurs zufliegen und die Kurve einleiten, sobald sich die Raute bewegt. Danach den Kurs finden, mit dem sie in der Mitte stehen bleibt.
- Gleitpfad von unten: Im Horizontalflug auf den Gleitpfad zufliegen und rechtzeitig weiter konfigurieren, zum Beispiel das Fahrwerk ausfahren. Kurz bevor die Gleitpfad-Raute die Mitte erreicht, senkst du die Nase auf die gebriefte Nicklage und stellst den gebrieften Schub ein.
- Stabilisieren: Landekonfiguration herstellen, Anfluggeschwindigkeit halten, Nicklage und Schub fein nachführen. Die Höhenchecks vergleichst du laufend mit Entfernung und Anflugkarte.
- Stabil oder durchstarten: Die SOPs legen einen Punkt fest, an dem alles passen muss – im Instrumentenanflug häufig 1.000 Fuß über Grund. Bist du dort nicht auf Kurs und Gleitpfad, nicht in Landekonfiguration oder liegen Geschwindigkeit und Sinkrate außerhalb des Sollbereichs, startest du durch.
- Am Minimum entscheiden: Sind die nötigen Sichtmerkmale da, geht es weiter zur Landung. Wenn nicht: Schubhebel in die TOGA-Raste, Nase auf die gebriefte Nicklage, Klappen eine Stufe einfahren, bei positiver Steigrate Fahrwerk ein – danach folgt das Fehlanflugverfahren.
Was du daraus lernst – auch für zu Hause
- Erst Nicklage und Schub, dann die Nadeln: Bekannte Ausgangswerte machen den Anflug ruhig.
- Früh und klein korrigieren: Den Trend beobachten, nicht der Position hinterherjagen.
- Schub vorausdenken: Ohne Autothrust ist die Geschwindigkeit deine Aufgabe, und der Trendpfeil ist dein Frühwarnsystem.
- Wind ist Planung: Sinkrate und Vorhaltewinkel stehen schon im Briefing.
- Durchstarten ist ein normales Verfahren: Ein instabiler Anflug wird abgebrochen, nicht gerettet.
- Laut denken: Wer seine Absichten ausspricht, hält den PM im Bild.
Zurück zu Hause kannst du den Heimsimulator gezielt nutzen: Flight Director und Autothrust aus, Wind und tiefe Wolken einstellen, Briefings laut sprechen und die Faustformeln anwenden. Was dort fehlt, erlebst du im Level-D-Simulator.
Raw Data ILS im Screening
Bei manchen Airline-Auswahlverfahren gehört ein Simulator-Check dazu. Screening-Anbieter nennen als Bewertungsgrundlage zum Beispiel das Kompetenzmodell der EASA. Geflogen wird je nach Verfahren in einem Full Flight Simulator oder auf einem FNPT, einem einfacheren Trainingsgerät für Verfahren und Navigation. Den Unterschied erklärt der Artikel Full Flight Simulator vs. FNPT. Ein von Hand geflogener Anflug kann Teil des Checks sein; welche Übungen tatsächlich vorkommen, legt jedes Verfahren selbst fest.
Für die Kompetenz „Flugwegführung von Hand“ beschreibt das Modell sinngemäß ein präzises, weiches Fliegen von Hand, bei dem du Fluglage, Geschwindigkeit, Schub und Navigationssignale im Zusammenhang steuerst. Das ist der Kern von Pitch & Power nach Raw Data. Wie zentral diese Fähigkeit ist, zeigt ein Blick ins wiederkehrende Training von Airline-Crews: Unter den EASA-Übungsbeispielen steht ein Präzisionsanflug von Hand mit einem ausgefallenen Triebwerk bis zur Entscheidungshöhe, gefolgt von einem manuellen Durchstarten.
Ein bestimmtes Ergebnis kann dir niemand seriös versprechen. Sitzen Scan und Technik aber schon vorher, bleibt im Check mehr Aufmerksamkeit für Funk, Crew und Entscheidungen. Worauf Prüferinnen und Prüfer außerdem achten, erklärt der Artikel Simulator-Check im Screening: Was wird bewertet? Wie du den Simulator-Teil bei uns übst, steht auf der Seite Screening-Vorbereitung.
Raw Data ILS im Level-D-Simulator fliegen
Bei Level-D Sim kannst du ein Raw-Data-ILS nach Absprache in deine Session im Level-D Full Flight Simulator einbauen. Zur Wahl stehen A320, A321XLR und A330; wie das Cockpit aufgebaut ist, zeigt die Seite Airbus A320 im Level-D-Simulator. Im Debriefing bekommst du Rückmeldung zu Scan, Nicklage und Schub.
- Allein hast du die ganze Simulatorzeit am Sidestick. Mit bis zu 5 Personen, die sich kennen, wechselt ihr zwischen Pilot Flying und Pilot Monitoring. Die Session gehört nur dir oder deiner Gruppe.
- Vom Briefing bis zum Debriefing begleiten dich erfahrene Berufspiloten.
- Hauptstandort der Flugsimulatoren ist Frankfurt am Main; die genaue Adresse erhältst du mit der Terminbestätigung. Teilnahme ab 16 Jahren – jüngere Personen dürfen auch in Begleitung nicht in den Simulator.
- Zum Mitfilmen deines Anflugs: Foto-, Video- und Tonaufnahmen sind im Simulatorzentrum und im Simulator aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Ausnahmen nur nach vorheriger Genehmigung. Deine Rückmeldung bekommst du stattdessen im Debriefing.
Für einige Anflüge mit Besprechung dazwischen reicht das Paket Short Haul mit 2 Std. Simulatorzeit. Willst du außerdem Seitenwind, Durchstarten oder einen Triebwerksausfall im Anflug fliegen, plane das Paket Medium Haul mit 3 Std. ein. Dein Wunschprogramm schickst du vorab über die Seite für Flight-Simmer; Endpreise und alle Pakete stehen unter Preise und Pakete.
Serie „Home Sim vs. Level D“
- Folge 0: Heimsimulator vs. Level D: 7 Unterschiede, die du im Cockpit sofort spürst
- Folge 1: Raw Data ILS – Home Sim vs. Level D (dieser Artikel)
Passend dazu im Ratgeber:
- Was Flight-Simmer im Level D überrascht
- Simulator-Check im Screening: Was wird bewertet?
- Pilot Flying und Pilot Monitoring: Aufgaben im Cockpit
Häufige Fragen zum Raw Data ILS
Was bedeutet Raw Data ILS?
Ein ILS-Anflug, bei dem du ohne Autopilot, Autothrust und Flight Director fliegst, je nach Vorgabe auch ohne Flight Path Vector. Die Anzeigen für Landekurs und Gleitpfad zeigen dir nur die Ablage. Nicklage und Schub wählst du selbst.
Kann ich ein Raw Data ILS im Heimsimulator üben?
Ja. Für Setup, Briefing, Scan und Faustformeln ist der Heimsimulator ein sehr gutes Werkzeug. Bewegung, die Bedienelemente eines Airbus und einen Menschen als Pilot Monitoring bildet er aber nicht ab.
Warum fühlt sich ein Raw-Data-Anflug im Level-D-Simulator anders an?
Weil dein Körper mitfliegt: Das Bewegungssystem gibt Reize beim Nicken, Rollen und bei Turbulenz. Dazu kommen Sidestick und Schubhebel wie im Airbus, ein Mensch als Pilot Monitoring, eine kollimierte Außensicht am Minimum und ein Anflug in Echtzeit.
Brauche ich Vorkenntnisse für ein Raw-Data-ILS im Level-D-Simulator?
Nein. Wie du Nicklage, Schub und Scan einteilst, geht ihr im Briefing gemeinsam durch, und im Simulator ist der Instruktor an deiner Seite. Wer zu Hause schon Anflüge von Hand geflogen ist, kommt schneller in den Rhythmus – nötig ist das aber nicht.
Hilft Raw-Data-Training bei der Vorbereitung auf einen Sim-Check?
Es kann helfen, wenn dein Check Handflug enthält. Ein von Hand geflogenes ILS kann dazugehören, und Raw-Data-Fliegen trainiert die Kompetenz „Flugwegführung von Hand“ aus dem Kompetenzmodell der EASA. Ein bestimmtes Ergebnis kann aber niemand versprechen. Mehr dazu auf der Seite Screening-Vorbereitung.
Kann ich Wind und Wetter für meinen Anflug selbst wählen?
Ja, nach Absprache. Dein Instruktor stellt Wind, Turbulenz, Wolkenuntergrenze und Sicht im Rahmen der technischen Möglichkeiten des Simulators ein. Am besten nennst du deine Wünsche schon bei der Buchung.
Quellen (abgerufen am 11.10.2026):
- EASA, Easy Access Rules CS-FSTD(A) Issue 2 (Juli 2020): Anforderungen an Full Flight Simulatoren der Stufen A bis D – easa.europa.eu
- EASA, ED Decision 2021/002/R, AMC1 ORO.FC.231(b): Kompetenzmodell für Piloten und Übungsbeispiele im Evidence-based Training – easa.europa.eu
- Airbus, A320 Family: Fly-by-Wire und gemeinsames Cockpit der Familie – aircraft.airbus.com
Technik, Faustformeln und Ablauf in diesem Artikel sind vereinfacht dargestellte Grundlagen des Instrumentenflugs. Sie ersetzen keine Ausbildung; verbindlich sind die Verfahren von Hersteller und Betreiber. Microsoft Flight Simulator und X-Plane sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber; es besteht keine Verbindung zu Level-D Sim.


