Ratgeber · Crew Resource Management

Pilot Flying und Pilot Monitoring: Aufgaben und Zusammenarbeit im Cockpit

In jedem Cockpit eines Verkehrsflugzeugs teilen sich zwei Piloten die Arbeit nach einem klaren Prinzip: Der Pilot Flying steuert, der Pilot Monitoring überwacht, funkt und arbeitet die Checklisten ab. Wer das versteht, kennt einen Kern der Sicherheitskultur in der Luftfahrt – und weiß, wie die Rollen in einer Session im Level-D-Simulator funktionieren.

Kurz erklärt: Der Pilot Flying (PF) steuert das Flugzeug und führt den Flugweg. Der Pilot Monitoring (PM) überwacht, funkt, liest Checklisten und unterstützt. Die Rollen hängen nicht vom Rang ab: Kapitän und Erster Offizier wechseln sich typischerweise ab. Die Gesamtverantwortung bleibt aber immer beim Kapitän.

Die Aufgaben des Pilot Flying

Der Pilot Flying ist für den Flugweg verantwortlich. Er steuert das Flugzeug von Hand oder über den Autopiloten, wählt Geschwindigkeit, Höhe und Kurs und gibt Kommandos – zum Beispiel zum Setzen der Landeklappen oder zum Ein- und Ausfahren des Fahrwerks. Seine Aufmerksamkeit gilt vor allem dem Fliegen selbst.

Im Kompetenzmodell der EASA für Piloten entspricht das zwei eigenen Kompetenzen: der Führung des Flugwegs von Hand und der Führung mit Automatik.

Die Aufgaben des Pilot Monitoring

Der Pilot Monitoring ist das zweite Paar Augen im Cockpit. Er

  • überwacht Flugweg, Geschwindigkeit, Systeme und die Modi des Autopiloten,
  • führt in der Regel den Funkverkehr mit der Flugsicherung,
  • liest die Checklisten und setzt Kommandos des Pilot Flying um, etwa für Klappen oder Fahrwerk,
  • spricht Abweichungen sofort an – das ist eine seiner wichtigsten Aufgaben.

Gerade in Phasen mit hoher Arbeitsbelastung wie Start, Anflug oder bei einer technischen Störung entlastet diese Aufteilung beide Piloten.

Aufgaben von Pilot Flying und Pilot Monitoring im Vergleich
BereichPilot Flying (PF)Pilot Monitoring (PM)
Steuernfliegt von Hand oder mit Autopilotüberwacht Flugweg und Automatik
Kommandosgibt Kommandos, z. B. „Flaps 1“prüft, führt aus und bestätigt
Funkhört mitspricht in der Regel mit der Flugsicherung
Checklistenantwortet und bestätigtliest vor
Abweichungenkorrigiertspricht sie an

Die genaue Verteilung legt jede Airline in ihren Standardverfahren fest, den Standard Operating Procedures (SOPs). Das Grundprinzip ist überall gleich.

Zwei Teilnehmer auf den Pilotensitzen im Reiseflug, Blick vom Jumpseat ins Airbus-Cockpit des Simulators
Zwei Plätze, zwei Rollen: Wer Pilot Flying und wer Pilot Monitoring ist, wird vor dem Flug festgelegt.

Callouts und Closed-Loop-Kommunikation

Damit beide Piloten jederzeit dasselbe Bild der Lage haben, sprechen sie standardisiert. Beim Start ruft der Pilot Monitoring zum Beispiel wichtige Geschwindigkeiten aus – etwa „V1“ und „Rotate“. Nach dem Abheben meldet er „Positive climb“, und der Pilot Flying antwortet mit dem Kommando „Gear up“.

Dahinter steckt das Prinzip der Closed-Loop-Kommunikation: Ein Kommando wird ausgeführt, wiederholt und damit bestätigt. So fallen Missverständnisse sofort auf.

  1. PF: „Flaps 1.“
  2. PM prüft die Geschwindigkeit, setzt die Klappen und bestätigt: „Flaps 1.“

Das Kompetenzmodell der EASA beschreibt genau das: Wer wichtige Informationen empfängt, bestätigt, dass er sie verstanden hat. Auch im Funk gilt das Prinzip – Freigaben der Flugsicherung werden zurückgelesen. Und je mehr Anweisungen eine einzelne Freigabe enthält, desto häufiger passieren dabei Fehler.

Wann der Pilot Monitoring eingreift

Überwachen ist mehr als Zuschauen. Die EASA verlangt, dass das Crew-Training dem Pilot Monitoring vermittelt, wann und wie er rechtzeitig eingreift. Das Human-Factors-Handbuch der britischen Luftfahrtbehörde CAA (CAP 737) beschreibt dabei ein abgestuftes Vorgehen:

  • Früh fragen oder hinweisen: „Wir sind zehn Knoten zu schnell.“ Ein früher Hinweis frischt das gemeinsame Lagebild auf, ohne das Klima im Cockpit zu belasten.
  • Deutlich werden, wenn es eilt: Wenn ein Eingreifen dringend ist, braucht es klare, bestimmte Ansagen.

Ob der Pilot Monitoring sich traut, auch den Kapitän auf einen Fehler hinzuweisen, hängt stark von der Führung im Cockpit ab. Wie Kapitäne eine Atmosphäre schaffen, in der Hinweise willkommen sind, beschreibt der Artikel Leadership im Cockpit. Wie man ein gutes Lagebild aufbaut und hält, erklären wir im Artikel Situational Awareness.

Warum das Zwei-Personen-Prinzip so wichtig ist

Menschen machen Fehler – auch Piloten. Klare Rollen sorgen dafür, dass Fehler früh auffallen und korrigiert werden. Diese Art der Zusammenarbeit heißt in der Luftfahrt Crew Resource Management (CRM).

  • Herkunft: Ende der 1970er-Jahre zeigten Unfalluntersuchungen, dass viele Fehler im Cockpit aus mangelhafter Zusammenarbeit entstanden. Die klare Aufteilung in eine steuernde und eine überwachende Rolle ist eine der Antworten darauf.
  • Heute: CRM-Training gehört in Europa zum vorgeschriebenen Training von Airline-Besatzungen. Das Kompetenzmodell der EASA zählt Kommunikation, Führung und Teamarbeit, Situationsbewusstsein und Workload-Management zu den neun Kernkompetenzen von Piloten.
  • Ruhe in kritischen Phasen: Bei Start, Anflug und Landung spricht die Crew nur über das, was der sicheren Flugdurchführung dient. Gerade dann braucht der Pilot Monitoring seine volle Aufmerksamkeit fürs Überwachen.

Wie CRM entstanden ist und welche Werkzeuge dazugehören, steht im Artikel Crew Resource Management. Unternehmen nutzen dieselben Prinzipien für ihre Führungsteams – mehr dazu beim Leadership-Training im Flugsimulator.

So verteilt ihr die Rollen in eurer Session

Bei Level-D Sim gehört die Session exklusiv dir oder einer Gruppe, die sich kennt – mit 1 bis 5 Personen. Im Briefing erklärt dir dein Instruktor Rollen, Callouts und Checklisten, danach geht es ins Cockpit:

  • Allein: Du fliegst als Pilot Flying, der Instruktor unterstützt dich als Co-Pilot.
  • Zu zweit: Ihr wechselt euch als Pilot Flying und Pilot Monitoring ab.
  • Zu dritt bis zu fünft: Zwei sitzen vorn, die anderen verfolgen den Flug vom Jumpseat direkt dahinter. Dann wird getauscht. Im Paket Long Haul (4 Std.) zu viert fliegt zum Beispiel jede Person eine Stunde als Pilot Flying und eine Stunde als Pilot Monitoring.

Wie viel Zeit jede Person am Steuer hat, hängt von Paket und Personenzahl ab – der Rechner auf der Preisseite zeigt es dir. Wie eine Session abläuft, beschreibt die Seite Flugsimulator-Erlebnis.

Drei Tipps für deine Session:

  • Sprich laut und deutlich – auch wenn es sich anfangs ungewohnt anfühlt.
  • Bestätige jedes Kommando. So bleibt ihr als Crew synchron.
  • Frag nach. Dein Instruktor erklärt dir jeden Callout und jede Checkliste.

Häufige Fragen zu Pilot Flying und Pilot Monitoring

Ist der Kapitän immer Pilot Flying?

Nein. Kapitän und Erster Offizier wechseln sich typischerweise ab, oft von Flug zu Flug. Wer Pilot Flying ist, wird vor dem Flug festgelegt. Die Gesamtverantwortung für den Flug trägt aber immer der Kapitän.

Was ist der Unterschied zwischen Pilot Monitoring und Pilot Not Flying?

Früher war für die zweite Rolle auch die Bezeichnung „Pilot Not Flying“ (PNF) üblich. „Pilot Monitoring“ betont, dass Überwachen eine aktive, eigenständige Aufgabe ist – mit klaren Regeln, wann eingegriffen wird.

Muss ich PF und PM vor der Session üben?

Nein. Im Briefing erklärt dir dein Instruktor die Rollen, die wichtigsten Callouts und Checklisten. Erfahrene Berufspiloten begleiten euch während der gesamten Session.

Quellen: EASA, AMC1 ORO.FC.231(b) (Kompetenzmodell, ED Decision 2021/002/R) und AMC1 ORO.FC.115&215 (CRM, ED Decision 2015/022/R); UK CAA, CAP 737 Flight-crew human factors handbook (2023); NASA CP-2120 (1980). Abgerufen am 11.10.2026.

Tim Hittinger mit Headset im Cockpit

Tim HittingerBerufspilot auf der Langstrecke und Gründer von GAT – German Aviation Training. Tim bildet an der Airport Academy München Fluglotsen aus, ist ICAO-Sprachprüfer nach FCL.055 und Flugfunkprüfer für AZF und BZF bei der Bundesnetzagentur. Er prüft die Ratgeber-Artikel fachlich und ist im Simulator selbst als Instruktor im Einsatz. Mehr über Tim

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