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Ablauf eines Airline-Assessments: von den Online-Tests bis zum Simulator-Check

Der Ablauf eines Airline-Assessments ist bei vielen Airlines ähnlich: Auf Bewerbung und computergestützte Eignungstests folgen Gruppenübungen und Interviews und – vor allem, wenn du schon eine Lizenz hast – häufig ein Simulator-Check. Am Ende stehen das Medical und das Angebot. Hier erfährst du, was in den einzelnen Phasen passiert, wie sich die Wege mit und ohne Lizenz unterscheiden und wie du dich vorbereitest.

Kurz erklärt: Ein Airline-Assessment ist das Auswahlverfahren, mit dem Airlines und ihre Flugschulen Pilotinnen und Piloten auswählen – vom Ab-initio-Bewerber ohne Flugerfahrung bis zum Linienpiloten, der die Airline wechseln will. Geprüft werden kognitive Fähigkeiten, Persönlichkeit, Teamverhalten und – bei Bewerbungen mit Lizenz – das fliegerische Können.

Die Phasen eines Airline-Assessments im Überblick

Pilotenauswahlverfahren setzen sich meist aus ähnlichen Bausteinen zusammen. Nicht jedes Verfahren enthält alle, und die Reihenfolge kann sich unterscheiden. Manche Stufen finden gebündelt an einem Termin statt, etwa in einem Assessment-Center.

Typische Phasen eines Airline-Assessments mit Inhalten und Prüfbereichen
PhaseWas passiertWas geprüft wird
BewerbungBewerbung mit Unterlagen, meist onlineformale Voraussetzungen wie Alter, Schulabschluss, Staatsangehörigkeit und Englisch; mit Lizenz auch Berechtigungen und Flugerfahrung
1. Online-Testserste Tests am Computer, je nach Verfahren von zu Hause oder vor Ortzum Beispiel Englisch, Mathematik und logisches Denken
2. Eignungsdiagnostikstandardisierte Tests unter Aufsicht, oft in einem TestzentrumMerkfähigkeit, Raumvorstellung, Technik, Mehrfacharbeit, Psychomotorik, Persönlichkeit
3. GruppenübungenSzenarien, Kommunikationsaufgaben oder Rollenspiele im TeamKommunikation, Teamarbeit, Führung, Entscheidungen
4. Interviewein oder mehrere Gespräche mit Vertretern der Airline oder eines beauftragten DienstleistersMotivation, Werdegang, Verhalten in konkreten Situationen; mit Lizenz auch Fachwissen
5. Simulator-CheckFlug im Simulator, vom einfachen Verfahrenstrainer bis zum Full Flight SimulatorHandflug, Verfahren, Kommunikation und Crew-Arbeit
Danachflugmedizinische Untersuchung, AngebotTauglichkeit nach Medical Class 1

Ab initio oder mit Lizenz: Warum sich der Ablauf unterscheidet

Wie dein Assessment aussieht, hängt vor allem davon ab, auf welchem Weg du ins Airline-Cockpit willst.

  • Ab initio („von Anfang an“): Du hast noch keine Berufspilotenlizenz und wirst von der Airline oder ihrer Flugschule ausgebildet. Weil noch niemand fliegerisches Können erwartet, stehen Grundfähigkeiten, Persönlichkeit und Teamverhalten im Mittelpunkt. Einen Simulator-Check gibt es meist nicht. Stattdessen messen Tests zum Beispiel deine Psychomotorik, also wie gut du Wahrnehmung und Bewegung koordinierst.
  • Ready Entry: Du hast deine Ausbildung abgeschlossen, typischerweise mit Berufspilotenlizenz (CPL), Instrumentenflugberechtigung, bestandener Theorie für die Verkehrspilotenlizenz (ATPL) und MCC-Kurs (Multi-Crew Cooperation). Eine Musterberechtigung (Type Rating) für ein Verkehrsflugzeug fehlt dir noch. Zu Tests, Gruppenübung und Interview kommt hier häufig ein Simulator-Check.
  • Mit Musterberechtigung: Du hast schon ein Type Rating und fliegst vielleicht bereits Linie. Auch bei einer neuen Airline erwarten dich meist Tests, Gespräche und oft ein Sim-Check. Dazu kommt die psychologische Beurteilung, die nach den EASA-Regeln vor Beginn des Linienflugs vorgeschrieben ist (mehr dazu unter Eignungsdiagnostik).

Phase für Phase: Was dich im Assessment erwartet

Vorab: Bewerbung und Voraussetzungen

Am Anfang steht die Bewerbung, meist über ein Online-Portal. Zuerst wird geprüft, ob du die formalen Voraussetzungen aus der Ausschreibung erfüllst. Bei manchen Ab-initio-Wegen musst du sogar schon einen Eignungstest bestanden haben, bevor du dich überhaupt bewerben kannst – ein Beispiel dafür steht weiter unten.

1. Online-Tests und Vorauswahl

Viele Verfahren beginnen mit Tests am Computer. Ob ein Teil davon online von zu Hause aus stattfindet oder alles unter Aufsicht in einem Testzentrum, ist von Verfahren zu Verfahren verschieden. Typisch sind Aufgaben zu Englisch, Mathematik und logischem Denken, oft unter Zeitdruck. Wer hier überzeugt, wird zur nächsten Stufe eingeladen.

2. Eignungsdiagnostik: Fähigkeiten und Persönlichkeit

Eignungsdiagnostik bedeutet: Mit standardisierten Tests wird gemessen, ob deine Fähigkeiten und deine Persönlichkeit zu den Anforderungen im Cockpit passen. Öffentlich beschriebene Verfahren nennen unter anderem diese Testbereiche:

  • Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Raumvorstellung und räumliche Orientierung
  • Mathematik, Technik und logisches Denken
  • Englisch
  • Mehrfacharbeit: mehrere Aufgaben gleichzeitig im Blick behalten
  • Psychomotorik: Wahrnehmung und Bewegung koordinieren
  • Persönlichkeit und Teamarbeit, zum Beispiel über Persönlichkeitstests

Ein Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum ist der DLR-Test. Die Abteilung Luft- und Raumfahrtpsychologie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg führt seit den 1950er-Jahren Eignungsuntersuchungen für angehende Flugzeug- und Hubschrauberpiloten durch, unter anderem für Airlines.

Was die EASA vorschreibt: Gewerbliche Luftfahrtunternehmen müssen ihre Flugbesatzungen vor Beginn des Linienflugs psychologisch beurteilen lassen. Die Beurteilung muss validiert sein und soll mindestens kognitive Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmale, operative und fachliche Kompetenzen sowie soziale Kompetenzen nach den Prinzipien des Crew Resource Management (CRM) erfassen. Sie soll grundsätzlich nicht länger als 24 Monate vor Beginn des Linienflugs zurückliegen.

3. Gruppenübungen

In der Gruppenübung löst du zusammen mit anderen Bewerberinnen und Bewerbern eine Aufgabe, je nach Verfahren mit Szenarien, Kommunikationsaufgaben oder Rollenspielen. Beobachtet wird vor allem, wie ihr zusammenarbeitet. Das hat einen fachlichen Hintergrund: Im Airline-Cockpit arbeiten mindestens zwei Piloten als Crew, und die EASA nennt soziale Kompetenzen nach CRM-Prinzipien ausdrücklich als Prüfkriterium. Was hinter CRM steckt, erklärt unser Artikel Crew Resource Management.

Hilfreich ist, was auch im Cockpit zählt:

  • zuhören und auf die Beiträge der anderen eingehen
  • Vorschläge begründen, statt sie durchzudrücken
  • Zwischenstände zusammenfassen und das Ziel im Blick behalten
  • Verantwortung übernehmen, ohne andere zu übergehen
Zwei Personen fliegen im Airbus-Simulator, eine dritte verfolgt den Flug vom Jumpseat direkt dahinter
Im Airline-Cockpit arbeitet eine Crew. Deshalb prüfen Auswahlverfahren auch Kommunikation und Teamarbeit.

4. Interview

Im Interview lernen dich Vertreterinnen und Vertreter der Airline oder eines beauftragten Dienstleisters persönlich kennen, je nach Verfahren in einem oder mehreren Gesprächen. Typische Themen sind dein Werdegang, deine Motivation für Beruf und Airline sowie dein Verhalten in konkreten Situationen, etwa unter Zeitdruck oder in einem Konflikt. Wer schon eine Lizenz hat, sollte zusätzlich mit fachlichen Fragen rechnen.

Tipp: Überlege dir vorab ehrliche Beispiele, in denen du Verantwortung übernommen, im Team gearbeitet oder aus einem Fehler gelernt hast. Und formuliere klar, warum du ins Cockpit willst – oder warum du zu genau dieser Airline wechseln möchtest.

5. Simulator-Check

Im Simulator-Check, auch Sim-Check oder Simulator-Screening genannt, zeigst du, wie du fliegst und als Crew arbeitest. Vor allem bei Bewerbungen mit Lizenz gehört er häufig zum Verfahren. Das Gerät reicht je nach Verfahren vom FNPT (Flight and Navigation Procedures Trainer), etwa für die zweimotorige DA42, über Fixed-Base-Simulatoren ohne Bewegungssystem bis zum Full Flight Simulator eines Verkehrsflugzeugs.

Bewertet wird mehr als die Landung. Anbieter von Simulator-Screenings beziehen sich zum Beispiel auf das Kompetenzmodell der EASA, das auch im wiederkehrenden Training von Airline-Crews verwendet wird. Es reicht vom Handflug über Verfahren und Kommunikation bis zu Teamarbeit, Situationsbewusstsein und Entscheidungen.

Was genau geflogen wird, legt jedes Verfahren selbst fest. Welche Übungen häufig vorkommen und worauf es bei der Bewertung ankommt, erklärt der Artikel Simulator-Check im Screening: Was wird bewertet? Wie sich zwei Piloten die Arbeit im Cockpit teilen, zeigt der Artikel Pilot Flying und Pilot Monitoring.

Navigation Display mit Kursnadel und Primary Flight Display mit Fluglage, Geschwindigkeit und Höhe im Airbus-Cockpit des Simulators
Im Sim-Check zeigst du, wie du Kurs, Höhe und Geschwindigkeit im Griff behältst – und wie du dabei mit deiner Crew sprichst.

Danach: Medical und Angebot

Für Berufspiloten ist ein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1 (Medical Class 1) Pflicht. Wer schon mit Berufspilotenlizenz fliegt, braucht es ohnehin. Bei Ab-initio-Wegen folgt die Untersuchung teils erst nach dem Assessment-Center. Am Ende steht das Angebot: ein Ausbildungsplatz oder ein Arbeitsvertrag.

Beispiel: ein Ab-initio-Auswahlverfahren Schritt für Schritt

Wie die Phasen in einem konkreten Verfahren zusammenspielen, zeigt der öffentlich beschriebene Auswahlprozess der European Flight Academy, der Flugschule der Lufthansa Group (Stand: 11.10.2026):

  1. Voraussetzungen: mindestens 17 Jahre, (Fach-)Hochschulreife, Matura oder ein vergleichbarer Abschluss, eine EU-, Schweizer oder EFTA-Staatsangehörigkeit und fließendes Englisch auf mindestens Niveau B2.
  2. DLR-Test vor der Bewerbung: ein computergestütztes Eignungsverfahren, unter anderem zu Merkfähigkeit, Raumvorstellung, Mehrfacharbeit, Psychomotorik und Persönlichkeit. Den Termin buchst du selbst. Bewerben kannst du dich erst mit einem erfolgreichen Testzertifikat. Für die Ausbildung in der Schweiz wird alternativ ein SPHAIR-Zertifikat anerkannt.
  3. Assessment-Center: Interviews, eine Gruppenübung und eine Überprüfung der Psychomotorik. Dabei kannst du auch Pilotinnen und Piloten der Lufthansa Group Fragen stellen.
  4. Medical: die flugmedizinische Untersuchung für das Medical Class 1, einschließlich Drogenscreening.
  5. Airline Fit: Nach der Flugschule folgt ein Gespräch mit der künftigen Airline. Im Schweizer Ausbildungsweg („Pre-Airline Fit“) sind je nach Flugleistung auch Simulatorübungen möglich.

Details können sich ändern, maßgeblich sind die aktuellen Angaben der Academy. Wir nennen das Verfahren nur als öffentlich beschriebenes Beispiel: Level-D Sim und GAT arbeiten weder mit der Academy noch mit einer anderen Airline oder einem Anbieter von Auswahlverfahren zusammen.

Vorbereitung: Was für das ganze Verfahren gilt

Über das Ergebnis entscheidet allein die Airline mit ihrem Auswahlverfahren. Gute Vorbereitung sorgt aber dafür, dass dich am Testtag wenig überrascht und du dich auf die Aufgaben konzentrieren kannst. Tipps zu Gruppenübung und Interview stehen in den Abschnitten oben. Diese Punkte gelten für alle Phasen:

  • Voraussetzungen früh prüfen: Alter, Schulabschluss, Staatsangehörigkeit und Englisch, mit Lizenz auch Medical, Berechtigungen und Flugbuch. Reiche deine Unterlagen vollständig und fehlerfrei ein.
  • Einladung genau lesen: Welche Stufen, welche Testbereiche, welche Sprache – und beim Sim-Check welches Gerät und welches Flugzeugmuster?
  • Grundlagen auffrischen: Kopfrechnen, Englisch und Technik lassen sich gut trainieren. Für Eignungstests gibt es eigene Trainingsangebote.
  • Den Simulator-Check vorbereiten: die Grundlagen des Musters kennen (beim Airbus etwa Sidestick, Fly-by-Wire und Flugmodusanzeige), Briefings und Handflug üben, die Rollen von Pilot Flying und Pilot Monitoring verstehen und, wenn möglich, vorher in einem Jet-Simulator trainieren.

Wo wir dich unterstützen: der Simulator-Teil

Bei Level-D Sim konzentrieren wir uns auf einen Baustein des Assessments: den Simulator-Check. In der Screening-Vorbereitung fliegst du typische Sim-Check-Inhalte im Level-D Full Flight Simulator, allein oder mit einem Trainingspartner, den du selbst mitbringst. Zur Wahl stehen A320, A321XLR und A330. Erfahrene Berufspiloten bereiten die Session im Briefing mit dir vor und geben dir im Debriefing eine ehrliche Rückmeldung zu Handflug, Verfahren und Crew-Arbeit. Hauptstandort der Flugsimulatoren ist Frankfurt am Main.

Auf Eignungstests, Interviews und Gruppenübungen bereiten wir nicht vor. Pakete und Endpreise findest du auf der Seite Preise.

Passend dazu im Ratgeber:

Häufige Fragen zum Airline-Assessment

Was ist der Unterschied zwischen Assessment, Screening und Sim-Check?

Die Begriffe werden nicht einheitlich verwendet. Airline-Assessment oder Pilot Assessment meint meist das ganze Auswahlverfahren oder den Tag im Assessment-Center. Screening steht manchmal ebenfalls für das ganze Verfahren, oft aber nur für den Teil im Simulator, den Sim-Check. Was in deinem Fall gemeint ist, steht in der Einladung.

Muss jede Bewerberin und jeder Bewerber in den Simulator?

Nein. Wer sich ohne Lizenz für eine Ab-initio-Ausbildung bewirbt, fliegt im Auswahlverfahren in der Regel nicht im Simulator vor. Gemessen werden dort Grundfähigkeiten wie Psychomotorik und Mehrfacharbeit. Wer sich mit Lizenz bewirbt, muss dagegen häufig einen Sim-Check absolvieren.

Was ist ein Ready-Entry-Assessment?

So heißt die Auswahl für Pilotinnen und Piloten, die ihre Ausbildung bis zur Berufspilotenlizenz abgeschlossen haben, aber noch kein Type Rating für ein Verkehrsflugzeug besitzen. Weil sie schon fliegen können, prüfen Airlines bei ihnen neben Tests und Gesprächen oft auch das fliegerische Können im Simulator.

Muss ich vor der Bewerbung schon einen Eignungstest bestehen?

Bei manchen Ab-initio-Verfahren ja: Dort ist ein bestandener Eignungstest die Voraussetzung, um dich überhaupt bewerben zu können. Andere Verfahren testen erst nach der Bewerbung. Was gilt, steht in der jeweiligen Ausschreibung.

Gilt die psychologische Beurteilung auch für erfahrene Piloten?

Ja, die Vorgabe betrifft nicht nur Berufseinsteiger. Nach den EASA-Regeln lassen gewerbliche Luftfahrtunternehmen ihre Flugbesatzungen vor Beginn des Linienflugs psychologisch beurteilen. Die Beurteilung soll grundsätzlich höchstens 24 Monate zurückliegen.

Welchen Teil des Assessments kann ich im Level-D-Simulator üben?

Den Simulator-Check: Handflug, Verfahren und die Arbeit als Crew im Cockpit. Bei Level-D Sim trainierst du dafür im Level-D Full Flight Simulator, begleitet von erfahrenen Berufspiloten. Mit Airlines oder Testanbietern arbeiten wir nicht zusammen und haben keinen Einblick in deren Bewertung. Alles zum Angebot steht auf der Seite Screening-Vorbereitung.

Quellen (abgerufen am 11.10.2026):

Tim Hittinger mit Headset im Cockpit

Tim HittingerBerufspilot auf der Langstrecke und Gründer von GAT – German Aviation Training. Tim bildet an der Airport Academy München Fluglotsen aus, ist ICAO-Sprachprüfer nach FCL.055 und Flugfunkprüfer für AZF und BZF bei der Bundesnetzagentur. Er prüft die Ratgeber-Artikel fachlich und ist im Simulator selbst als Instruktor im Einsatz. Mehr über Tim

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