Serie „Home Sim vs. Level D“: Dieser Artikel ist Folge 0 und gibt dir den Überblick. In den nächsten Folgen nehmen wir einzelne Manöver unter die Lupe – den Anfang macht Folge 1: Raw Data ILS – Home Sim vs. Level D.
Moderne Heimsimulatoren sind beeindruckend. Add-ons bilden Systeme und Verfahren der A320-Familie detailliert ab, und auf VATSIM oder IVAO fliegst du mit echten Menschen am Funk. Wer so fliegt, bringt die beste Vorbereitung mit. Trotzdem fühlt sich der erste Start im Level-D Full Flight Simulator anders an. Warum, steht in den Anforderungen, die ein Level-D-Simulator erfüllen muss.
1. Die Bewegung
Der größte Unterschied ist körperlich. Zu Hause sitzt du still, während sich das Bild bewegt. Im Level-D-Simulator bewegt sich die ganze Kabine mit: Die Stufe verlangt Bewegungsreize in allen sechs Freiheitsgraden eines Flugzeugs, dazu Pistenrumpeln, Fahrwerksstöße und einen Aufsetzreiz, der davon abhängt, wie fest du landest. Den Startlauf, das Abheben und jede Landung spürst du im ganzen Körper.
Eine Plattform hat allerdings nur einen begrenzten Bewegungsweg. Sie erzeugt vor allem den Anfangsreiz einer Beschleunigung und neigt die Kabine, um länger anhaltende Kräfte anzudeuten. Was das im Cockpit konkret heißt, zeigt der Artikel Was Flight-Simmer im Level D überrascht.
2. Originalgroßes Cockpit statt Peripherie
Zu Hause baust du dir dein Cockpit aus Monitor, Joystick, Throttle-Quadrant und vielleicht einem Panel für die MCDU zusammen. Im Full Flight Simulator sitzt du in einer vollständig geschlossenen, originalgroßen Nachbildung des Airbus-Cockpits: Das Overhead-Panel ist über deinem Kopf statt in einem Pop-up-Fenster, die Schubhebel rasten auf dem Pedestal ein, und für jeden Schalter greifst du an die Stelle, an der er im Flugzeug liegt. Der Airbus-Sidestick ist federzentriert und gibt keine aktive Kraftrückmeldung, wie man sie von manchem Force-Feedback-Joystick kennt.

3. Die Sicht
Statt Monitoren mit Rahmen oder einer VR-Brille siehst du eine durchgehende Außenansicht über beide Pilotensitze hinweg, wie Level D sie vorschreibt. Weil das Bild über eine Spiegeloptik in die Ferne gerückt wird, stellen deine Augen auf die Landschaft scharf, nicht auf eine Fläche vor dir. Im Endanflug taucht die Piste dadurch räumlich auf statt flach wie auf einem Bildschirm. Die genauen Anforderungen an die Sicht stehen im Grundlagenartikel Was ist ein Level-D-Simulator?
4. Geräusche und Vibrationen
Das Hochlaufen der Triebwerke, das Rumpeln der Piste, Regen auf der Scheibe: Level D ist die einzige Stufe, bei der Lautstärke und Frequenzen der Cockpitgeräusche gemessen und mit dem Flugzeug verglichen werden. Du hörst und spürst, was das Flugzeug gerade tut.
5. Echte Crew-Arbeit
Zu Hause übernimmt oft ein Add-on die Rolle des Co-Piloten. Im Simulator sitzt ein Mensch neben dir. Ihr verteilt die Rollen als Pilot Flying und Pilot Monitoring, lest Checklisten, gebt Callouts und bestätigt Kommandos. Das verändert deinen Workload: Kommunikation wird Teil der Arbeit. Wie das funktioniert, erklärt der Artikel Pilot Flying und Pilot Monitoring.
Bring deine Crew mit: Ihr könnt mit bis zu 5 Personen fliegen, die sich kennen. Buchst du allein, unterstützt dich der Instruktor als Co-Pilot. Fremde Teilnehmer kommen nicht dazu – die Session gehört nur euch.
6. Der Instruktor an der Instruktor-Station
Hinter euch sitzt ein erfahrener Berufspilot an der Instruktor-Station. Er stellt Wetter, Wind, Sicht und Tageszeit ein und spielt nach Absprache Störungen ein, etwa einen Triebwerksausfall – ohne den Zeitpunkt anzukündigen. Welche Szenarien möglich sind, klärt ihr im Briefing.
Den Funk übernimmt ebenfalls der Instruktor: Der Simulator ist mit keinem Online-Netzwerk verbunden.

7. Flugverhalten auf Basis von Flugtestdaten
Wie gut sich ein Flugzeug im Heimsimulator fliegt, hängt von Software und Add-on ab. Bei Level D beruht das Flugmodell dagegen auf Flugtestdaten des Herstellers, bis hin zum Bodeneffekt kurz vor dem Aufsetzen, und bei der behördlichen Qualifikation wird geprüft, ob Simulator und Flugzeug innerhalb festgelegter Toleranzen übereinstimmen. Dazu reagiert das ganze System sehr schnell auf deine Eingaben. Das merkst du vor allem beim Handfliegen: Kleine, weiche Eingaben am Sidestick reichen.
Heimsimulator und Level D auf einen Blick
| Merkmal | Heimsimulator | Level-D Full Flight Simulator |
|---|---|---|
| Bewegung | keine oder je nach Zubehör | vorgeschrieben, mindestens gleichwertig sechs Freiheitsgraden |
| Cockpit | Monitor, Peripherie oder Home-Cockpit | originalgroße Nachbildung eines bestimmten Musters |
| Sicht | Monitor oder VR-Brille | kollimiert, 180 × 40 Grad je Pilot |
| Flugmodell | je nach Software und Add-on | Herstellerdaten mit Flugtestdaten, behördlich geprüft |
| Co-Pilot | Add-on oder Mitflieger online | ein Mensch neben dir, dazu der Instruktor |
| Funk | Online-ATC-Netzwerk möglich | der Instruktor übernimmt den Funk |
Vergleich von Gerätekategorien, nicht von einzelnen Produkten.
Was du aus dem Heimsimulator mitnimmst
Vieles, was du dir zu Hause erarbeitet hast, zahlt sich jetzt aus:
- Verfahren und Flows – du findest dich schneller zurecht.
- MCDU-Programmierung – Route, Performance und Anflug sitzen.
- Phraseologie und Charts – du kannst dich aufs Fliegen konzentrieren.
Was im Level-D-Cockpit für Flight-Simmer neu ist, vertiefen wir im Artikel Was Flight-Simmer im Level D überrascht. Wie sich die Gerätestufen unterscheiden, erklärt der Grundlagenartikel Was ist ein Level-D-Simulator?
So bereitest du dich vor
- Plane deine Strecke wie gewohnt und bring deinen OFP mit – im Briefing besprecht ihr ihn gemeinsam.
- Wiederhole Flows und Callouts, die du kennst. Welche Verfahren in der Session gelten, legt ihr im Briefing fest.
- Stell dich darauf ein, dass sich Handfliegen am Sidestick anders anfühlt als mit deinem Joystick.
- Kläre vorab, wer mitkommt: allein oder mit Menschen, die du kennst – insgesamt höchstens 5 Personen. Teilnahme ab 16 Jahren – jüngere Personen dürfen auch in Begleitung nicht in den Simulator.
- Lass Kamera und Handy in der Tasche: Foto-, Video- und Tonaufnahmen sind im Simulatorzentrum und im Simulator aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Ausnahmen nur nach vorheriger Genehmigung.
Weitere Folgen der Serie „Home Sim vs. Level D“
- Folge 0: Heimsimulator vs. Level D – 7 Unterschiede (dieser Artikel)
- Folge 1: Raw Data ILS: ohne Autopilot, Autothrust und Flight Director
Alles zum Angebot für Flight-Simmer – von Szenarien bis Flugzeugtyp – findest du auf der Seite Full Flight Simulator für Flight-Simmer. Pakete und Endpreise stehen unter Preise. Du willst einem Simmer die Session schenken? Ideen dazu stehen unter Geschenk für Flight-Simmer.
Häufige Fragen von Flight-Simmern
Ist der Simulator mit einem Online-ATC-Netzwerk verbunden?
Nein. Der Level-D-Simulator ist mit keinem Online-Netzwerk verbunden. Den Funk übernimmt der Instruktor – so, wie ihr es im Briefing besprecht.
Ich habe keine eigene Crew. Kann ich allein buchen?
Ja. Du kannst die ganze Session allein buchen, dann unterstützt dich der Instruktor als Co-Pilot. Oder du bringst Menschen mit, die du kennst – insgesamt bis zu 5 Personen pro Session. Fremde Teilnehmer kommen nicht dazu.
Brauche ich Erfahrung aus dem Heimsimulator?
Nein. Erfahrung aus dem Heimsimulator hilft, ist aber keine Voraussetzung. Im Briefing erklären dir erfahrene Berufspiloten alles, was du für deine Session brauchst.
Quellen zu den Level-D-Anforderungen: EASA, CS-FSTD(A) Issue 2 (Easy Access Rules, Juli 2020). Microsoft Flight Simulator und X-Plane sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber; es besteht keine Verbindung zu Level-D Sim. Abgerufen am 11.10.2026.






