Ratgeber · Serie „Home Sim vs. Level D“ · Folge 0

Heimsimulator vs. Level D: 7 Unterschiede, die du im Cockpit sofort spürst

Du fliegst im Microsoft Flight Simulator, in X-Plane oder im eigenen Home-Cockpit? Dann kennst du Flows, Callouts und die MCDU. Im Level-D Full Flight Simulator kommen Bewegung, ein originalgroßes Cockpit und ein Mensch als Co-Pilot dazu. Das sind die sieben größten Unterschiede zwischen Heimsimulator und Level D.

Serie „Home Sim vs. Level D“: Dieser Artikel ist Folge 0 und gibt dir den Überblick. In den nächsten Folgen nehmen wir einzelne Manöver unter die Lupe – den Anfang macht Folge 1: Raw Data ILS – Home Sim vs. Level D.

Moderne Heimsimulatoren sind beeindruckend. Add-ons bilden Systeme und Verfahren der A320-Familie detailliert ab, und auf VATSIM oder IVAO fliegst du mit echten Menschen am Funk. Wer so fliegt, bringt die beste Vorbereitung mit. Trotzdem fühlt sich der erste Start im Level-D Full Flight Simulator anders an. Warum, steht in den Anforderungen, die ein Level-D-Simulator erfüllen muss.

1. Die Bewegung

Der größte Unterschied ist körperlich. Zu Hause sitzt du still, während sich das Bild bewegt. Im Level-D-Simulator bewegt sich die ganze Kabine mit: Die Stufe verlangt Bewegungsreize in allen sechs Freiheitsgraden eines Flugzeugs, dazu Pistenrumpeln, Fahrwerksstöße und einen Aufsetzreiz, der davon abhängt, wie fest du landest. Den Startlauf, das Abheben und jede Landung spürst du im ganzen Körper.

Eine Plattform hat allerdings nur einen begrenzten Bewegungsweg. Sie erzeugt vor allem den Anfangsreiz einer Beschleunigung und neigt die Kabine, um länger anhaltende Kräfte anzudeuten. Was das im Cockpit konkret heißt, zeigt der Artikel Was Flight-Simmer im Level D überrascht.

2. Originalgroßes Cockpit statt Peripherie

Zu Hause baust du dir dein Cockpit aus Monitor, Joystick, Throttle-Quadrant und vielleicht einem Panel für die MCDU zusammen. Im Full Flight Simulator sitzt du in einer vollständig geschlossenen, originalgroßen Nachbildung des Airbus-Cockpits: Das Overhead-Panel ist über deinem Kopf statt in einem Pop-up-Fenster, die Schubhebel rasten auf dem Pedestal ein, und für jeden Schalter greifst du an die Stelle, an der er im Flugzeug liegt. Der Airbus-Sidestick ist federzentriert und gibt keine aktive Kraftrückmeldung, wie man sie von manchem Force-Feedback-Joystick kennt.

Schubhebel, MCDU und Funkpanel auf dem Pedestal des Airbus-Simulators
Schubhebel, MCDU und Funkpanel auf dem Pedestal – dort, wo sie auch im Airbus sitzen.

3. Die Sicht

Statt Monitoren mit Rahmen oder einer VR-Brille siehst du eine durchgehende Außenansicht über beide Pilotensitze hinweg, wie Level D sie vorschreibt. Weil das Bild über eine Spiegeloptik in die Ferne gerückt wird, stellen deine Augen auf die Landschaft scharf, nicht auf eine Fläche vor dir. Im Endanflug taucht die Piste dadurch räumlich auf statt flach wie auf einem Bildschirm. Die genauen Anforderungen an die Sicht stehen im Grundlagenartikel Was ist ein Level-D-Simulator?

4. Geräusche und Vibrationen

Das Hochlaufen der Triebwerke, das Rumpeln der Piste, Regen auf der Scheibe: Level D ist die einzige Stufe, bei der Lautstärke und Frequenzen der Cockpitgeräusche gemessen und mit dem Flugzeug verglichen werden. Du hörst und spürst, was das Flugzeug gerade tut.

5. Echte Crew-Arbeit

Zu Hause übernimmt oft ein Add-on die Rolle des Co-Piloten. Im Simulator sitzt ein Mensch neben dir. Ihr verteilt die Rollen als Pilot Flying und Pilot Monitoring, lest Checklisten, gebt Callouts und bestätigt Kommandos. Das verändert deinen Workload: Kommunikation wird Teil der Arbeit. Wie das funktioniert, erklärt der Artikel Pilot Flying und Pilot Monitoring.

Bring deine Crew mit: Ihr könnt mit bis zu 5 Personen fliegen, die sich kennen. Buchst du allein, unterstützt dich der Instruktor als Co-Pilot. Fremde Teilnehmer kommen nicht dazu – die Session gehört nur euch.

6. Der Instruktor an der Instruktor-Station

Hinter euch sitzt ein erfahrener Berufspilot an der Instruktor-Station. Er stellt Wetter, Wind, Sicht und Tageszeit ein und spielt nach Absprache Störungen ein, etwa einen Triebwerksausfall – ohne den Zeitpunkt anzukündigen. Welche Szenarien möglich sind, klärt ihr im Briefing.

Den Funk übernimmt ebenfalls der Instruktor: Der Simulator ist mit keinem Online-Netzwerk verbunden.

Instruktor-Station mit Wetter- und Flugzeugeinstellungen, davor zwei Personen auf den Pilotensitzen und die Startbahn im Nebel
Von der Instruktor-Station aus steuert der Instruktor Wetter, Sicht und Störungen.

7. Flugverhalten auf Basis von Flugtestdaten

Wie gut sich ein Flugzeug im Heimsimulator fliegt, hängt von Software und Add-on ab. Bei Level D beruht das Flugmodell dagegen auf Flugtestdaten des Herstellers, bis hin zum Bodeneffekt kurz vor dem Aufsetzen, und bei der behördlichen Qualifikation wird geprüft, ob Simulator und Flugzeug innerhalb festgelegter Toleranzen übereinstimmen. Dazu reagiert das ganze System sehr schnell auf deine Eingaben. Das merkst du vor allem beim Handfliegen: Kleine, weiche Eingaben am Sidestick reichen.

Heimsimulator und Level D auf einen Blick

Vergleich von Heimsimulator und Level-D Full Flight Simulator
MerkmalHeimsimulatorLevel-D Full Flight Simulator
Bewegungkeine oder je nach Zubehörvorgeschrieben, mindestens gleichwertig sechs Freiheitsgraden
CockpitMonitor, Peripherie oder Home-Cockpitoriginalgroße Nachbildung eines bestimmten Musters
SichtMonitor oder VR-Brillekollimiert, 180 × 40 Grad je Pilot
Flugmodellje nach Software und Add-onHerstellerdaten mit Flugtestdaten, behördlich geprüft
Co-PilotAdd-on oder Mitflieger onlineein Mensch neben dir, dazu der Instruktor
FunkOnline-ATC-Netzwerk möglichder Instruktor übernimmt den Funk

Vergleich von Gerätekategorien, nicht von einzelnen Produkten.

Was du aus dem Heimsimulator mitnimmst

Vieles, was du dir zu Hause erarbeitet hast, zahlt sich jetzt aus:

  • Verfahren und Flows – du findest dich schneller zurecht.
  • MCDU-Programmierung – Route, Performance und Anflug sitzen.
  • Phraseologie und Charts – du kannst dich aufs Fliegen konzentrieren.

Was im Level-D-Cockpit für Flight-Simmer neu ist, vertiefen wir im Artikel Was Flight-Simmer im Level D überrascht. Wie sich die Gerätestufen unterscheiden, erklärt der Grundlagenartikel Was ist ein Level-D-Simulator?

So bereitest du dich vor

  1. Plane deine Strecke wie gewohnt und bring deinen OFP mit – im Briefing besprecht ihr ihn gemeinsam.
  2. Wiederhole Flows und Callouts, die du kennst. Welche Verfahren in der Session gelten, legt ihr im Briefing fest.
  3. Stell dich darauf ein, dass sich Handfliegen am Sidestick anders anfühlt als mit deinem Joystick.
  4. Kläre vorab, wer mitkommt: allein oder mit Menschen, die du kennst – insgesamt höchstens 5 Personen. Teilnahme ab 16 Jahren – jüngere Personen dürfen auch in Begleitung nicht in den Simulator.
  5. Lass Kamera und Handy in der Tasche: Foto-, Video- und Tonaufnahmen sind im Simulatorzentrum und im Simulator aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Ausnahmen nur nach vorheriger Genehmigung.

Weitere Folgen der Serie „Home Sim vs. Level D“

Alles zum Angebot für Flight-Simmer – von Szenarien bis Flugzeugtyp – findest du auf der Seite Full Flight Simulator für Flight-Simmer. Pakete und Endpreise stehen unter Preise. Du willst einem Simmer die Session schenken? Ideen dazu stehen unter Geschenk für Flight-Simmer.

Häufige Fragen von Flight-Simmern

Ist der Simulator mit einem Online-ATC-Netzwerk verbunden?

Nein. Der Level-D-Simulator ist mit keinem Online-Netzwerk verbunden. Den Funk übernimmt der Instruktor – so, wie ihr es im Briefing besprecht.

Ich habe keine eigene Crew. Kann ich allein buchen?

Ja. Du kannst die ganze Session allein buchen, dann unterstützt dich der Instruktor als Co-Pilot. Oder du bringst Menschen mit, die du kennst – insgesamt bis zu 5 Personen pro Session. Fremde Teilnehmer kommen nicht dazu.

Brauche ich Erfahrung aus dem Heimsimulator?

Nein. Erfahrung aus dem Heimsimulator hilft, ist aber keine Voraussetzung. Im Briefing erklären dir erfahrene Berufspiloten alles, was du für deine Session brauchst.

Quellen zu den Level-D-Anforderungen: EASA, CS-FSTD(A) Issue 2 (Easy Access Rules, Juli 2020). Microsoft Flight Simulator und X-Plane sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber; es besteht keine Verbindung zu Level-D Sim. Abgerufen am 11.10.2026.

Tim Hittinger mit Headset im Cockpit

Tim HittingerBerufspilot auf der Langstrecke und Gründer von GAT – German Aviation Training. Tim bildet an der Airport Academy München Fluglotsen aus, ist ICAO-Sprachprüfer nach FCL.055 und Flugfunkprüfer für AZF und BZF bei der Bundesnetzagentur. Er prüft die Ratgeber-Artikel fachlich und ist im Simulator selbst als Instruktor im Einsatz. Mehr über Tim

Weiterlesen

Mehr aus dem Ratgeber

Bewegungssystem unter der Kabine eines Level-D Full Flight Simulators Simulator

Was ist ein Level-D Full Flight Simulator?

Simulator-Klassen, Level A bis D und was einen Level-D-Simulator ausmacht.

Artikel lesen
Zwei Personen im Airbus-Cockpit des Simulators im Reiseflug Screening

Airline-Assessment: So läuft die Pilotenauswahl ab

Die typischen Stufen eines Auswahlverfahrens – bis zum Simulator-Check.

Artikel lesen
Drei Personen gemeinsam im abgedunkelten Airbus-Cockpit des Simulators, vor ihnen Wolken im Sichtsystem CRM

Crew Resource Management einfach erklärt

Wie Cockpit-Crews Kommunikation, Führung und Entscheidungen organisieren.

Artikel lesen
Anflug auf Madeira im Simulator, Blick über die Küste auf die Landebahn Pilot Awareness

Airliner-Perspektive für VFR-Piloten

Wirbelschleppen, TCAS und Anflugprofile: was Privatpiloten über Airliner wissen sollten.

Artikel lesen
Reiseflug über einer geschlossenen Wolkendecke Fliegen verstehen

Turbulenzen verstehen

Was bei Turbulenzen passiert – erklärt aus dem Cockpit.

Artikel lesen
Primary Flight Display und Navigation Display im Airbus-Simulator mit Fluglage, Geschwindigkeit, Höhe und Kurs Serie · Folge 1

Raw Data ILS: Home Sim vs. Level D

Ein ILS von Hand ohne Flight Director: was du aus dem Heimsimulator kennst und was im Level-D-Simulator neu ist.

Artikel lesen

Alle Artikel im Ratgeber

2 Std. exklusiv · bis 5 Personenab 1.999 € pro Session
Session buchen