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Was ist ein Level-D-Simulator? Simulator-Klassen und Level A bis D erklärt

Ein Level-D-Simulator ist ein Full Flight Simulator der höchsten Qualifikationsstufe: ein originalgroßes Cockpit eines bestimmten Flugzeugmusters, ein Bewegungssystem mit sechs Freiheitsgraden, eine Panorama-Sicht von 180 Grad und ein Flugmodell auf Basis von Flugtestdaten des Herstellers. Hier erfährst du, was hinter den Stufen steckt, wer sie prüft und was das für deine Session bedeutet.

Kurz erklärt: Flugsimulatoren für die Pilotenausbildung heißen offiziell Flight Simulation Training Devices (FSTD). Die aufwendigste Geräteklasse ist der Full Flight Simulator (FFS), und innerhalb der Full Flight Simulatoren ist Level D die höchste Stufe. Auf solchen Geräten erwerben Verkehrspiloten ihre Musterberechtigung und trainieren regelmäßig Situationen wie einen Triebwerksausfall beim Start.

Welche Arten von Flugsimulatoren gibt es?

Für Flugzeuge legt die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) in ihren Spezifikationen CS-FSTD(A) vier Gerätetypen fest. Sie unterscheiden sich darin, wie genau sie ein Flugzeug nachbilden und ob Bewegung und Sicht vorgeschrieben sind:

Gerätetypen für die Flugsimulation nach EASA CS-FSTD(A)
GerätetypWas er nachbildetBewegung und Sicht
FFS – Full Flight Simulator (Level A–D)Originalgroßes Cockpit eines bestimmten Musters, Modells und einer Baureihe, mit allen Systemen für Boden- und FlugbetriebBewegungssystem und Sichtsystem sind Pflicht
FTD – Flight Training Device (Stufe 1 und 2)Instrumente, Panels und Bedienelemente eines bestimmten Musters, offenes oder geschlossenes CockpitBewegung und Sicht nicht erforderlich
FNPT – Flight and Navigation Procedures Trainer (I, II, MCC)Cockpit-Umgebung eines Flugzeugs oder einer ganzen FlugzeugklasseKeine Bewegung gefordert; ab FNPT II ein Sichtsystem von mindestens 45 × 30 Grad je Pilot, das nicht kollimiert sein muss
BITD – Basic Instrument Training DevicePlatz des Flugschülers einer Flugzeugklasse, Instrumente auf BildschirmenWeder Bewegung noch Sicht gefordert, gedacht für Verfahren des Instrumentenflugs

Wichtig: Zu diesen Klassen gehört ein Gerät nur, wenn eine Behörde es qualifiziert hat. Ein Freizeit-Simulator ohne Qualifikationsbescheinigung ist kein FSTD – auch dann nicht, wenn er sich bewegt. Wie sich Full Flight Simulator und FNPT im Detail unterscheiden, erklären wir im Artikel Full Flight Simulator vs. FNPT.

Zur Einordnung: In den EASA-Mitgliedstaaten und den Drittstaaten unter EASA-Aufsicht gibt es laut einer Folgenabschätzung der EASA rund 1.400 Flugsimulatoren für Flugzeuge, davon 786 Full Flight Simulatoren (EASA, NPA 2020-15; Datenbasis unter anderem 2018).

Level A bis D: die Stufen des Full Flight Simulators

Full Flight Simulatoren werden in vier Stufen von A bis D eingeteilt. Je höher die Stufe, desto strenger sind die Anforderungen an Bewegung, Sicht, Flugverhalten und Geräusche. Level D ist die höchste Qualifikationsstufe für Flugsimulatoren.

  • Level A und B sind die einfacheren Stufen. Sie haben ein Bewegungssystem, das Sichtfeld muss je Pilot aber nur mindestens 45 Grad breit und 30 Grad hoch sein.
  • Level C und D verlangen deutlich mehr: Bewegung in sechs Freiheitsgraden, eine durchgehende Panorama-Sicht über beide Pilotensitze und ein Flugmodell auf Basis von Flugtestdaten des Herstellers.

Wie viele Stunden angehende Verkehrspiloten für ihre Musterberechtigung im Full Flight Simulator verbringen und wofür Flugschulen einfachere Geräte wie den FNPT einsetzen, erklärt der Artikel Full Flight Simulator vs. FNPT.

Was ein Level-D-Simulator können muss

Die Anforderungen stehen in einer langen Tabelle der EASA. Die wichtigsten Punkte in verständlicher Form:

Ein originalgroßes, geschlossenes Cockpit

Das Cockpit ist vollständig geschlossen und eine originalgroße Nachbildung des simulierten Flugzeugs. Schalter, Hebel und Anzeigen sitzen dort, wo sie im Flugzeug sitzen, und die Systeme verhalten sich wie im Original: Fällt ein Generator aus, reagiert die Elektrik so, wie sie es im Flugzeug tun würde.

Bewegung in sechs Freiheitsgraden

Die Bewegungsreize müssen mindestens denen einer sogenannten Synergie-Plattform mit sechs Freiheitsgraden entsprechen: Nicken, Rollen, Gieren, Heben sowie Bewegung zur Seite und nach vorn und hinten. Dazu kommen vorgeschriebene Effekte wie das Rumpeln auf der Piste, Stöße über das Fahrwerk, das Schütteln (Buffet) bei ausgefahrenen Klappen, Spoilern oder Fahrwerk und ein Aufsetzreiz, der von der Sinkrate abhängt.

Bewegungssystem unter der Simulator-Kabine: lange Teleskop-Aktuatoren tragen das Cockpit auf Bodenplatten
Unter dem Cockpit: Das Bewegungssystem trägt die komplette Simulator-Kabine und bewegt sie.

Panorama-Sicht: 180 × 40 Grad je Pilot

Level C und D verlangen je Pilot ein durchgehendes Sichtfeld von 180 Grad horizontal und 40 Grad vertikal, über beide Pilotensitze hinweg. Das Bild ist kollimiert: Eine spezielle Spiegeloptik lässt die Außenwelt weit entfernt wirken statt flach wie auf einem Monitor. Tag, Dämmerung und Nacht, Nebel oder Regen stellt der Instruktor ein.

Flugverhalten auf Basis von Flugtestdaten

Wie der Simulator auf Steuereingaben reagiert, beruht auf einem Aerodynamik-Modell mit Flugtestdaten des Herstellers – einschließlich Bodeneffekt kurz vor dem Aufsetzen und Effekten bei hoher Geschwindigkeit. Zwischen einer Steuereingabe und der Reaktion von Bewegung, Sicht und Instrumenten dürfen höchstens 150 Millisekunden vergehen.

Geräusche

Triebwerke, Rollgeräusche, Regen auf der Scheibe, die Scheibenwischer: Auch die Akustik gehört zur Qualifikation. Bei Level D wird zusätzlich gemessen, ob Lautstärke und Frequenzen der Cockpitgeräusche denen des Flugzeugs entsprechen.

Geprüft mit Tests am Gerät

Grundlage der Qualifikation ist ein Prüfhandbuch, der Qualification Test Guide. Darin stehen Validierungstests, die das Verhalten des Simulators mit Daten des Flugzeugs vergleichen und festgelegte Toleranzen einhalten müssen. Dazu kommen Funktionstests und subjektive Tests, bei denen Piloten den Simulator fliegen und beurteilen.

Level C oder Level D – wo liegt der Unterschied?

Level C und Level D liegen eng beieinander. Die meisten Kernanforderungen gelten für beide Stufen:

Vergleich der Anforderungen an Level C und Level D
AnforderungLevel CLevel D
Bewegung mindestens gleichwertig sechs Freiheitsgradenjaja
Sicht 180 × 40 Grad je Pilot, kollimiert, über beide Sitzejaja
Flugmodell mit Flugtestdaten des Herstellersjaja
Reaktion in höchstens 150 Millisekundenjaja
Geräusche von Niederschlag, Scheibenwischern und Crashjaja
Lautstärke und Frequenz der Cockpitgeräusche gemessen und mit dem Flugzeug verglichenneinja

In der Anforderungstabelle der EASA ist der Klang damit der auffälligste Unterschied. Die US-Luftfahrtbehörde FAA regelt es ähnlich: Verfehlt ein Gerät bei einer Level-D-Bewertung die Toleranzen für die Geräusche, kann es als Level C qualifiziert werden.

Übrigens: „Full Motion“ ist keine Qualifikationsstufe, sondern beschreibt nur ein Bewegungssystem. Was ein Level-D-Simulator anderen bewegten Simulatoren voraushat, zeigt unser Vergleich Level D vs. Full Motion.

Wer prüft und qualifiziert Flugsimulatoren?

Der Fachbegriff lautet qualifiziert: Die zuständige Behörde stellt eine Qualifikationsbescheinigung aus, auf der Gerätetyp und Stufe stehen. Die technischen Regeln dafür setzt in Europa die EASA.

Welche Behörde zuständig ist, hängt vom Sitz des Betreibers ab, nicht vom Standort des Geräts. In Deutschland ist das Luftfahrt-Bundesamt für Simulatoren zuständig, deren Betreiber seinen Hauptgeschäftssitz in Deutschland hat. Für Betreiber außerhalb der EU und der EASA-Staaten ist die EASA selbst zuständig.

Mit einer einmaligen Prüfung ist es nicht getan. Die Qualifikationsbescheinigung gilt zwar unbefristet; damit sie gültig bleibt, wird jedes Gerät aber jährlich erneut beurteilt.

Neue EU-Regeln: Was wird aus Level D?

Die EASA stellt das System schrittweise um. Statt nach Typ und Stufe sollen Simulatoren künftig mit einer FSTD Capability Signature (FCS) beschrieben werden – einem Profil, das zeigt, wie genau ein Gerät welche Eigenschaft des Flugzeugs nachbildet. Ausbildungsbetriebe leiten dann aus ihren Trainingszielen ab, welches Profil sie für welche Aufgabe brauchen.

  • Beschlossen wurde das mit der Durchführungsverordnung (EU) 2026/781 vom 8. April 2026. Die zugehörigen Nachweis- und Auslegungsmaterialien der EASA gelten ab dem 30. April 2028.
  • Sobald die neuen Spezifikationen gelten, werden neue Geräte nur noch mit einer FCS erstmals qualifiziert.
  • Bereits qualifizierte Simulatoren behalten ihre bisherige Stufe als sogenannte Legacy-FSTD und können weiter genutzt werden.

Für bestehende Level-D-Simulatoren bleibt die Bezeichnung damit fachlich korrekt.

Was das für deine Session bedeutet

Bei Level-D Sim fliegst du einen Airbus im Level-D Full Flight Simulator – zur Wahl stehen A320, A321XLR und A330. Hauptstandort der Flugsimulatoren ist Frankfurt am Main. Vorkenntnisse brauchst du nicht.

  • Du spürst Bewegung, statt nur auf einen Bildschirm zu schauen: Startlauf, Abheben, Turbulenz und Aufsetzen.
  • Du sitzt in einem originalgroß nachgebildeten Airbus-Cockpit und bedienst Schalter, Sidestick und Schubhebel dort, wo sie hingehören.
  • Ihr arbeitet als Crew mit klar verteilten Rollen – mehr dazu im Artikel Pilot Flying und Pilot Monitoring.
  • Erfahrene Berufspiloten begleiten dich vom Briefing bis zum Debriefing und stellen Wetter, Tageszeit und Szenarien nach Absprache ein.
Instruktor-Station mit Wetter- und Flugzeugeinstellungen, davor zwei Personen auf den Pilotensitzen und die Startbahn im Nebel
An der Instruktor-Station stellt dein Instruktor Wetter, Sicht und Szenarien ein.

Nicht jeder Simulator, der sich bewegt, ist ein Full Flight Simulator. Entscheidend ist die Qualifikationsbescheinigung: Sie nennt Gerätetyp und Stufe. Wie unser Simulator aufgebaut ist und welche Airbus-Typen du fliegen kannst, zeigt die Seite Full Flight Simulator. Pakete und Endpreise findest du unter Preise. Woraus sich der Preis einer Simulatorstunde ergibt, erklärt der Ratgeber Was kostet ein Full Flight Simulator?

Häufige Fragen zum Level-D-Simulator

Heißt es „zertifiziert“ oder „qualifiziert“?

Der Fachbegriff ist „qualifiziert“. Die zuständige Behörde stellt eine Qualifikationsbescheinigung aus, auf der Gerätetyp und Stufe stehen. Welche Behörde zuständig ist, hängt vom Sitz des Betreibers ab.

Wie oft wird ein Level-D-Simulator überprüft?

Nach den EU-Regeln gilt die Qualifikationsbescheinigung unbefristet. Damit sie gültig bleibt, wird jedes Gerät jährlich erneut beurteilt.

Können auch Privatpersonen einen Level-D-Simulator fliegen?

Ja. Bei Level-D Sim buchst du eine exklusive Session für 1 bis 5 Personen, die sich kennen, ab 16 Jahren, mit Briefing und Debriefing durch erfahrene Berufspiloten. Vorkenntnisse brauchst du nicht. Pakete und Endpreise stehen auf der Preisseite.

Quellen: EASA, CS-FSTD(A) Issue 2 (Easy Access Rules, Juli 2020); EASA, NPA 2020-15 (Dezember 2020); EASA, Opinion 01/2025 und ED Decisions 2026/006/R bis 2026/008/R (mit Verweis auf die Durchführungsverordnung (EU) 2026/781); Luftfahrt-Bundesamt, Flugsimulationsübungsgeräte; 14 CFR Part 60 (FAA). Abgerufen am 11.10.2026.

Tim Hittinger mit Headset im Cockpit

Tim HittingerBerufspilot auf der Langstrecke und Gründer von GAT – German Aviation Training. Tim bildet an der Airport Academy München Fluglotsen aus, ist ICAO-Sprachprüfer nach FCL.055 und Flugfunkprüfer für AZF und BZF bei der Bundesnetzagentur. Er prüft die Ratgeber-Artikel fachlich und ist im Simulator selbst als Instruktor im Einsatz. Mehr über Tim

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