Ratgeber · Fliegen verstehen

Flugangst: Was hilft? Fliegen verstehen, gut vorbereitet sein, Hilfe finden

Was hilft bei Flugangst? Eine Antwort, die für alle passt, gibt es nicht. Als Piloten können wir dir vor allem Wissen mitgeben: wie sicher Fliegen ist, was Geräusche und Turbulenzen bedeuten und wie du dich auf deinen Flug vorbereitest. Belastet dich die Angst stark oder hält sie dich vom Fliegen ab, sind Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten die richtigen Ansprechpartner.

Wichtig: Dieser Artikel erklärt das Fliegen aus dem Cockpit. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, und ein bestimmtes Ergebnis versprechen wir dir nicht. Wir sind Piloten, keine Therapeuten.

Flugangst verstehen statt vermeiden

Angst vor dem Fliegen ist nichts, wofür du dich schämen musst. Auch die Medizin nimmt sie ernst: Die in Deutschland verwendete Fassung der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10-GM, Version 2026) nennt das Fliegen ausdrücklich als Beispiel für eine spezifische Phobie, also eine Angst, die auf eng umschriebene Situationen beschränkt ist (Schlüssel F40.2).

Nicht jede Nervosität vor dem Abflug ist eine Phobie. Wo die Grenze liegt, beurteilen medizinische und psychotherapeutische Fachleute – nicht wir als Piloten. Was genau Unbehagen auslöst, ist ohnehin von Mensch zu Mensch verschieden: Für manche ist es der Start, für andere ein Ruckeln in den Wolken, ein ungewohntes Geräusch, die Enge der Kabine oder das Gefühl, nichts selbst beeinflussen zu können.

Dieser Artikel setzt dort an, wo wir etwas beitragen können: beim Verstehen. Wenn du weißt, was hinter einem Geräusch oder einer Bewegung steckt, musst du es in der Kabine nicht selbst deuten. Ob dir das beim nächsten Flug hilft, ist individuell. Ob und wann du fliegst, entscheidest du.

Wie sicher ist Fliegen? Zahlen richtig einordnen

Zahlen ändern ein Gefühl nicht auf Knopfdruck. Sie geben dir aber eine sachliche Grundlage. Die folgenden Werte stammen aus dem Sicherheitsbericht 2025 des internationalen Airline-Verbands IATA, veröffentlicht im März 2026:

Tödliche Unfälle im weltweiten Luftverkehr laut IATA-Sicherheitsbericht 2025
ZeitraumTödliche Unfälle laut IATA
Jahr 20258 bei rund 38,7 Millionen Flügen weltweit
Schnitt 2021 bis 2025einer auf rund 5,6 Millionen Flüge
Schnitt 2012 bis 2016einer auf rund 3,5 Millionen Flüge

So liest du solche Zahlen:

  • Lieber mehrere Jahre betrachten: Ein einzelnes Jahr kann aus der Reihe fallen. Die IATA-Kennzahl für das Todesfallrisiko (fatality risk) etwa stieg von 0,06 pro Million Flüge im Jahr 2024 auf 0,17 im Jahr 2025. Im Vergleich der beiden Fünfjahreszeiträume ist die Rate tödlicher Unfälle dagegen gesunken.
  • Auf Quelle und Zählweise achten: Andere Stellen, etwa die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA), grenzen ihre Statistiken anders ab. Zahlen aus verschiedenen Berichten lassen sich deshalb nicht einfach nebeneinanderstellen.
  • Absolute Sicherheit gibt es nicht: weder in der Luftfahrt noch anderswo. Die Luftfahrt arbeitet aber systematisch daran, Risiken klein zu halten – mit strengen Bauvorschriften, mehrfach vorhandenen Systemen und regelmäßigem Training.

Was an Bord passiert: Geräusche, Bewegungen, Turbulenzen

Vieles, was in der Kabine beunruhigt, ist im Cockpit Routine. Diese Momente kommen auf fast jedem Flug vor:

Typische Geräusche und Bewegungen während eines Flugs und was dahintersteckt
MomentWas du hörst oder spürstWas dahintersteckt
Rollen und StartlaufRumpeln, kurze Stöße, laute TriebwerkeDie Räder rollen über Fugen und eingelassene Lampen der Piste. Für den Start laufen die Triebwerke mit hoher Leistung.
Kurz nach dem AbhebenPoltern unter dem Boden, danach wird es ruhigerDas Fahrwerk fährt ein, und die Fahrwerksklappen schließen sich.
SteigflugDie Triebwerke werden hörbar leiserDie Piloten nehmen planmäßig die Startleistung zurück und steigen mit geringerer Leistung weiter. Das ist ein fester Schritt im Ablauf.
KlappenSurren oder Summen, ein leichtes RuckelnLandeklappen und Vorflügel fahren schrittweise ein oder aus. Sie verändern die Tragfläche so, dass das Flugzeug bei Start und Landung langsamer fliegen kann.
ReiseflugRuckeln, kurzes AbsackenTurbulenz: Das Flugzeug fliegt durch unruhige Luft. Mehr dazu direkt unter dieser Tabelle.
SinkflugSehr leise Triebwerke, manchmal ein Rauschen oder leichtes VibrierenIm Sinkflug braucht das Flugzeug wenig Schub. Das Rauschen kommt oft von den Störklappen (Speedbrakes) auf den Tragflächen, mit denen die Piloten schneller sinken oder langsamer werden.
AnflugRumpeln, die Triebwerke werden mal lauter, mal leiserDas Fahrwerk fährt aus, und die Leistung wird laufend angepasst, damit Geschwindigkeit und Anflugweg genau stimmen.
Nach dem AufsetzenDie Triebwerke heulen auf, du wirst nach vorn in den Gurt gedrücktSchubumkehr und Radbremsen verzögern das Flugzeug auf der Piste.
DurchstartenPlötzlich viel Leistung, das Flugzeug steigt wiederEin geübtes Standardverfahren, zum Beispiel wenn die Piste noch nicht frei ist oder der Anflug nicht so stabil ist, wie er sein soll.
Zwei Personen auf den Pilotensitzen eines Airbus-Cockpits im Simulator, ruhiger Reiseflug über Land, darüber das beleuchtete Overhead Panel mit den Systemschaltern
Im Cockpit siehst du, was in der Kabine nur zu hören und zu spüren ist.

Turbulenzen: unangenehm, aber eingeplant

Turbulenz spürst du, wenn das Flugzeug durch unruhige Luft fliegt, etwa durch aufsteigende Warmluft, über Bergen oder dort, wo Luftmassen mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit aufeinandertreffen. Manchmal tritt sie bei klarem Himmel auf, ganz ohne Wolken. Piloten berücksichtigen das bei der Planung von Route und Flughöhe und weichen Gewitterzellen weiträumig aus.

Auch die Konstrukteure rechnen mit Turbulenz: Kräftige Böen und anhaltende Turbulenz gehören zu den Lastfällen, für die ein Verkehrsflugzeug nach den Bauvorschriften ausgelegt und geprüft wird – mit Sicherheitsreserve. Was das Ruckeln für dich an Bord bedeutet, ist deshalb vor allem eine Frage des Komforts und des geschlossenen Gurts.

Verletzen kann sich, wer bei einem plötzlichen Stoß nicht angeschnallt ist oder gerade im Gang steht. Dafür gibt es das Anschnallzeichen. Woher Turbulenz kommt, welche Lasten die Struktur tragen muss und was Piloten bei unruhiger Luft tun, liest du im Artikel Turbulenzen verstehen.

Mehrfach abgesichert: Technik, Training und zwei Piloten

Ein Grundsatz bei der Konstruktion von Verkehrsflugzeugen lautet: Ein einzelner Defekt darf nicht zur Katastrophe führen (14 CFR 25.1309). Deshalb sind wichtige Systeme mehrfach vorhanden. Fachleute nennen das Redundanz. Für dich in der Kabine heißt das zum Beispiel: Ein Flugzeug mit zwei Triebwerken ist so ausgelegt und zugelassen, dass es auch mit nur einem Triebwerk weiterfliegen kann. Wie Triebwerke, Hydraulik, Stromversorgung und Steuerung abgesichert sind, erklärt der Artikel Flugzeugtechnik verstehen.

Technik ist das eine, die Crew das andere. Was im Flugzeug selten vorkommt, trainieren Piloten in festen Abständen im Full Flight Simulator, nach den Regeln der EASA zum Beispiel einen Notsinkflug oder Windscherung bei Start und Anflug. Für den Ernstfall gibt es feste Verfahren und Checklisten, die jede Crew kennt.

Im Cockpit teilen sich zwei Piloten die Arbeit: Einer steuert als Pilot Flying, der andere überwacht als Pilot Monitoring Flugweg und Systeme und übernimmt den Funk. So hat jeder im Blick, was der andere tut. Mehr dazu im Artikel Pilot Flying und Pilot Monitoring.

So bereitest du dich auf deinen Flug vor

Gute Vorbereitung nimmt Zeitdruck und Überraschungen aus dem Reisetag. Ein paar praktische Anregungen – nimm dir, was zu dir passt:

  1. Informieren statt rätseln: Lies dir vorher in Ruhe durch, was auf einem Flug passiert, zum Beispiel mit der Tabelle oben. Dann ist ein Geräusch an Bord kein Rätsel mehr.
  2. Zeitpuffer einplanen: Plane genug Zeit für Anreise, Gepäckaufgabe und Sicherheitskontrolle ein, damit kein zusätzlicher Stress entsteht.
  3. Sitzplatz bewusst wählen: Plätze über den Tragflächen liegen nahe am Schwerpunkt des Flugzeugs. Auf- und Abbewegungen fallen dort meist geringer aus als ganz vorn oder ganz hinten. Am Gang stehst du leichter auf, am Fenster siehst du, was draußen passiert – was dir lieber ist, weißt nur du.
  4. Mit der Crew sprechen: Sag der Kabinenbesatzung beim Einsteigen ruhig, dass du beim Fliegen unsicher bist. So weißt du, an wen du dich an Bord wenden kannst.
  5. Gurt geschlossen lassen: Solange du sitzt, bleibt der Gurt zu, auch wenn das Anschnallzeichen aus ist. Bei einem unerwarteten Stoß schützt er dich.
  6. Beschäftigung einpacken: Musik, Hörbuch, Film, Buch oder ein Gespräch füllen die Zeit an Bord.
  7. Nicht allein sein müssen: Wenn es geht, flieg mit jemandem, dem du vertraust, und sprich vorher darüber, was dir an Bord guttut.

Atem- und Entspannungsübungen: was wir dazu sagen können

Es gibt eine Reihe bekannter Atem- und Entspannungsverfahren, zum Beispiel die progressive Muskelentspannung oder das autogene Training. Wie man sie richtig anwendet, gehört nicht in einen Ratgeber von Piloten. Deshalb findest du hier keine Anleitung und kein Versprechen, dass eine bestimmte Übung bei dir wirkt. Drei allgemeine Hinweise:

  • Von Fachleuten lernen: Lass dir eine Übung zeigen, etwa in einem Kurs oder in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis.
  • Vorher üben: Probiere eine Übung in Ruhe und mehrmals aus, bevor du sie an Bord brauchst – nicht erst, wenn du schon im Flugzeug sitzt.
  • Auf dich achten: Fühlt sich eine Übung für dich nicht gut an, lass sie weg. Hast du gesundheitliche Einschränkungen, kläre vorher ärztlich ab, was für dich geeignet ist.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Ob deine Flugangst behandelt werden sollte, kann nur eine Fachperson beurteilen. Ein Gespräch mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt oder mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn

  • du Flüge absagst oder gar nicht erst buchst, obwohl du eigentlich fliegen möchtest oder musst,
  • dich die Angst schon lange vor einem Flug stark beschäftigt und belastet,
  • du zu Panikattacken neigst oder beim Gedanken ans Fliegen starke körperliche Reaktionen bemerkst.

Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache: Nimm Beruhigungs- oder Schlafmittel für einen Flug nur, wenn du das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen hast.

Bist du bereits in Behandlung, besprich am besten auch dort, ob ein Besuch im Flugsimulator für dich gerade passt. Ein Informations- und Erlebnisseminar wie unseres ist kein Ersatz für eine Therapie.

Was ein Simulator-Seminar leisten kann – und was nicht

Im Simulator sitzt du dort, wo sonst die Piloten sitzen: vorn im Cockpit eines Airbus, das im Level-D Full Flight Simulator originalgroß nachgebildet ist. Durch Sicht- und Bewegungssystem siehst und spürst du Startlauf, Aufsetzen und Turbulenz. Damit du realistisch einschätzen kannst, was so ein Seminar bringt, hier beide Seiten:

Was es leisten kann

  • Dir zeigen, was Piloten bei Start, Reiseflug und Landung tun und warum.
  • Geräusche und Bewegungen einordnen: Fahrwerk, Klappen, Triebwerke, Turbulenz.
  • Situationen angekündigt und in deinem Tempo erleben – jede lässt sich anhalten, wiederholen oder beenden.
  • Raum für alle Fragen, beantwortet von erfahrenen Berufspiloten.

Was es nicht leisten kann

  • Es ist keine Therapie und kein Ersatz dafür.
  • Es gibt kein Versprechen, wie du deinen nächsten Flug erlebst.
  • Es ist kein echter Flug: Der Simulator bleibt am Boden und kann Beschleunigungen nur zum Teil nachbilden.
  • Es passt nicht für jeden: Der Simulator bewegt sich spürbar. Wenn du zu Panikattacken neigst oder Herz-Kreislauf-Probleme hast, kläre deine Teilnahme bitte vorher ärztlich ab.
Primary Flight Display und Navigation Display im Airbus-Cockpit des Simulators mit Fluglage, Geschwindigkeit, Höhe und Kurs
Fluglage, Geschwindigkeit und Höhe auf einen Blick: Im Simulator siehst du, wie das Flugzeug auf Turbulenz reagiert.

Wenn du das Fliegen einmal in Ruhe aus dem Cockpit sehen möchtest, bietet sich unser Flugangstseminar im Flugsimulator an: ein Informations- und Erlebnisseminar, in dem erfahrene Berufspiloten mit dir einen kompletten Flug durchgehen – in deinem Tempo, mit Pause. Ob du selbst den Sidestick – so heißt der seitliche Steuerknüppel im Airbus – in die Hand nimmst oder zuschaust, entscheidest du.

Zum Seminar kannst du allein kommen oder Familie und Freunde mitbringen, insgesamt höchstens 5 Personen, die sich kennen. Teilnehmen kann jede Person ab 16 Jahren – Ausnahmen gibt es nicht. Hauptstandort der Flugsimulatoren ist Frankfurt am Main. Alle Pakete mit Endpreisen stehen auf der Seite Preise.

Häufige Fragen zu Flugangst

Was hilft bei Flugangst am besten?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Dieser Artikel bündelt, was wir als Piloten beitragen können: Zahlen zur Sicherheit mit Quelle, eine Übersicht typischer Geräusche und Bewegungen an Bord und praktische Tipps für den Reisetag. Ob und wie deine Flugangst behandelt werden sollte, klärst du mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder in einer psychotherapeutischen Praxis.

Welcher Sitzplatz ist bei Flugangst angenehmer?

Das ist eine persönliche Frage. Plätze über den Tragflächen liegen nahe am Schwerpunkt des Flugzeugs, dort fallen Auf- und Abbewegungen meist geringer aus als ganz vorn oder ganz hinten. Am Gang stehst du leichter auf, am Fenster siehst du, was draußen passiert. Was dir besser tut, weißt nur du – probier es ruhig aus. Mehr Tipps stehen im Abschnitt So bereitest du dich auf deinen Flug vor.

Was kann ich an Bord tun, wenn ich unruhig werde?

Sprich die Kabinenbesatzung an, am besten schon beim Einsteigen – dann weiß sie, dass du beim Fliegen unsicher bist. Bleib angeschnallt und nutze, was du dir vorher zurechtgelegt hast: Musik, ein Hörbuch, ein Gespräch oder eine Entspannungsübung, die du schon vor dem Flug geübt hast. Was hinter typischen Geräuschen und Bewegungen steckt, zeigt die Übersicht in diesem Artikel.

Warum werden die Triebwerke kurz nach dem Start leiser?

Für den Start brauchen die Triebwerke hohe Leistung. Kurz danach nehmen die Piloten sie planmäßig zurück und steigen mit geringerer Leistung weiter. Das ist ein fester Schritt im Ablauf jedes Flugs.

Soll ich vor dem Flug ein Beruhigungsmittel nehmen?

Das kann nur eine Ärztin oder ein Arzt mit dir entscheiden. Nimm Beruhigungs- oder Schlafmittel für einen Flug nicht auf eigene Faust ein.

Was bringt ein Flugangstseminar im Flugsimulator?

Es vermittelt Wissen aus dem Cockpit: Erfahrene Berufspiloten erklären dir Abläufe, Geräusche und Turbulenzen, und du erlebst einen Flug im Level-D Full Flight Simulator in deinem Tempo, mit Pause. Ein bestimmtes Ergebnis versprechen wir nicht, und das Seminar ist kein Ersatz für eine Therapie.

Quellen

Alle Quellen abgerufen am 11.10.2026. Die Hinweise zu Ärztinnen, Ärzten und Psychotherapie sind allgemeine Orientierung und keine medizinische Beratung.

Tim Hittinger mit Headset im Cockpit

Tim HittingerBerufspilot auf der Langstrecke und Gründer von GAT – German Aviation Training. Tim bildet an der Airport Academy München Fluglotsen aus, ist ICAO-Sprachprüfer nach FCL.055 und Flugfunkprüfer für AZF und BZF bei der Bundesnetzagentur. Er prüft die Ratgeber-Artikel fachlich und ist im Simulator selbst als Instruktor im Einsatz. Mehr über Tim

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